carmencita en camino

Endlich bin ich unterwegs!

03August
2018

Zuhause.

Ihr Lieben.

Ich habe eben mal meine Statistiken durchgesehen: Über 2300 Besucher auf meinem Blog insgesamt! Ich bin einfach überwältigt, soviele erreicht zu haben, und auch irgendwo stolz. Der Blog bleibt noch eine Weile online, aber eine endgültig ausgedruckte Variante findet sich bald auch in meinem Zimmer.

Jetzt bin ich schon über drei Monate wieder hier. Der Alltag hat mich wieder. Natürlich war es nicht leicht. Nachdem ich anfänglich auf meiner Wolke schwebte, schlug ich nach ein paar Wochen heftig auf dem Boden der Tatsachen auf. Hier ist nicht alles bunt und glitzernd und aufregend. Aber das ist okay so, so soll es ja sein. Doch das zu verstehen brauchte Zeit. Ich habe 2 Monate in der Montage einer großen Firma gearbeitet (Auma in Müllheim) und mir wieder Geld verdient. Ich habe wieder angefangen, zu trainieren, und bin im Orchester wieder durchgestartet. Im Sommer geht es für den Urlaub quer durch Deutschland. Und natürlich habe ich mich auch für einen Studienplatz ab Herbst beworben, im Fach Psychologie, doch bis heute kam noch keine Zusage. Das Leben geht also weiter. Und zwischen all dem Alltag fiel es mir schwer, den angekündigten letzten Artikel zu schreiben, was mir wirklich leid tut.

Ich habe nämlich nicht von den 4 geilsten Tagen in Argentinien berichtet. Anfang April zog es mich in einen kleinen Ort namens Cafayate, im Norden Argentiniens, bekannt für seinen Wein. Ohne eine Buchung oder Adresse im Gepäck kam ich kurz nach EInbruch der Dunkelheit an. Ich hatte ein wenig Angst, kein Bett mehr zu finden, doch kaum hatte ich meinen Rucksack geschultert, sprach mich ein junger Kerl an. Er überzeugte mich damit, dass sein Hostel nur zwei Blocks entfernt wartete und dort gegrillt werden würde. Ich dackelte ihm also hinterher, und ob ihr es glaubt oder nicht, ich wurde positiv überrascht. Es war mega! Der große Innenhof war gefüllt mit gut gelaunten Menschen. Es gab Bier, Wein, Musik und sehr viele Gespräche. Schnell wurde ich als Exotin (es gab nur wenige Europäer und nur 2 weitere, die Spanisch nicht zur Muttersprache hatten) anerkannt und integriert. Zwei dort arbeitende Reisende, die also mit ein paar Stunden Mithilfe am Tag ihre Unterkunft bezahlten, sangen für uns, und die sangen mega gut. Es gab leckeres Essen und die Nacht wurde sehr lang.

Am nächsten Morgen zog ich mit einer bunten Truppe in Richtung Wasserfälle. Es war heiß an dem Tag, weswegen wir uns im eiskalten Bachwasser abkühlten. An diesem zweiten Abend lernte ich weitere tolle Menschen kennen: Alejandro und Leandro. Wir unterhielten uns bei Bier und Fernet (das Lieblingsgetränk der Argentinier), und naja, nach dem späten Abendessen kam ich wieder nicht früh ins Bett. Zusammen mit den zwei und ein paar anderen tourten wir am 2. Tag durch den nahegelegenen Canyon, wo Wasser die Felsen vor vielen Jahren mega beeindruckend formte. Zusätzlich traf ich dort eine deutsche Lehrerin, die mir von eigenen Schülern berichtete, von denen ich tatsächlich eine kannte! Am Nachmittag unternahmen wir eine Weintour, wobei sich Reisefreunde von Ale und Leandro anschlossen, die sie ein paar Orte früher kennengelernt hatten. Wir probierten uns natürlich durch all die Leckereien. Am Abend besorgten wir Schwarzbier und Mengen an Fleisch für ein gutes Abendessen. Es wurde eine geniale Nacht. Argentinier sind Nachtmenschen. Ich fühlte mich so wohl unter diesen tollen Menschen, dass ich mich entschloss, nach der 3. Nacht eine weitere zu bleiben. Und ich bereue es nicht. Bis heute habe ich Kontakt zu Leandro, Alejandro und Pablo, und einige andere Argentinier gaben mir ihre Nummer um mich zu melden, wenn ich wiederkomme. Es war einfach toll. Cafayate verbinde ich mit Nächten, mit Schwarzbier und Asados (Grillabende), mit Weinboutiquen und ja, auch mit starken Kopfschmerzen am Morgen. ;) Von dort aus zog ich schließlich, in verkürzter Zeit, weiter nach Tafi und Cordoba. Zum ersten Mal trampte ich dort auch, durch die Wüste, und es ging alles gut. Ich aß viele Empanadas, bestieg einen Berg und besuchte Ruinen. Es bahnte sich zwischendurch eine Krankheit an, aber die konnte ich durch Schlaf verhindern. Einen Tag verbrachte ich bei einer Freundin von Leandro in Cordoba, der uns vermittelte, und sie zeigte mir die große Studentenstadt. ("Die Schmach von Cordoba"? Ja, genau dort.) Dann flog ich nach Iguazu, und hier setzen auch meine alten Artikel wieder ein.

Jetzt ist auch die letzte Lücke gefüllt.

Es ist Zeit, sich zu verabschieden. Dieser Blog, und vor allem auch ihr, meine Leser, habt mir so sehr geholfen. Ich wusste, ich kann meine Erlebnisse teilen, da interessiert sich jemand. Ich konnte um Rat fragen und habe mich aufgehoben gefühlt. Es ist so toll, dass ihr so lange durchgehalten habt. Die Unterstützung von zuhause hat gerade auch in der ersten Zeit sehr gut getan. Durch all die Artikel konnte ich aufarbeiten, was mir in der aufregenden Zeit so passiert ist, und kann sie jetzt auch behalten und in vielen Jahren wieder lesen. Ich danke Euch.

Es war toll. Danke.

 

Carmen.

20April
2018

die wirklich allerletzten Tage...

Hach ja. Ich sitze gerade im Flugzeug, auf dem Weg nach Madrid. Es ist vorbei. Aber dazu später, alles der Reihe nach.

Nachdem ich also die Iguazu-Fälle besucht und bestaunt hatte, ging die Reise weiter. Bevor ich jedoch die Grenze passieren wollte, führte mich meine Neugier zu einem kleinen Highlight in Argentinien: Die Minen von Wanda. Ich musste einen Bus nehmen, der mich an der Kreuzung rausließ, und von dort noch drei Kilometer laufen. Das wäre natürlich alles kein Problem, wenn die Sonne nicht so erbarmungslos vom Himmel gebrannt und die wenigen Bäume mehr Schatten gespendet hätten. So aber kam ich durchgeschwitzt und fertig dort an, wo schon entspannte, in Reisebussen angekarrte Touristen warteten. Ich bekam eine persönliche Führung durch die bis heute bearbeiteten Diamantenstollen. Dort konnte ich wunderschöne unbearbeitete Steine und Kristalle bewundern, und der Guide erzählte mir viel von chemischen Zusammensetzungen und der Bearbeitung. Mein Highlight war allerdings die abgelegene Höhle, aus welcher und Fledermäuse entgegenflatterten. Ich konnte ganz nah ran, super cool! Dann wurde ich in den Souvenirladen geschleust und bewunderte die bearbeiteten Steine, die in allen erdenklichen Farben schimmerten. Mit einem erleichterten Geldbeutel brach ich auf, zurück zur Straße. Allerdings kam kein Bus, weswegen ich mich zu dem kleinen örtlichen Terminal aufmachte. Die Rückfahrt dauerte insgesamt viel länger als geplant. Als ich dann endlich zurück in Puerto Iguazu ankam, stand natürlich kein Bus mehr nach Ciudad del Este zur Verfügung. Ich rannte zum Hostel, schnappte mir mein Zeug, und eilte, so schnell wie es mit dem Rucksack auf dem Rücken eben ging, und musste dann noch warten, bis mich ein letzter Bus, welcher nicht für Touris gedacht war, mitnahm. Ein letztes neues Land für mich: Paraguay! Hier würde ich allerdings nicht viel Zeit verbringen, schon nach einer Woche ging mein Flieger von der Hauptstadt Asunción. Aber diese Zeit wollte ich nutzen!  Ich kam völlig fertig in meinem Hostel an, ging einen leckeren Salat essen und war begeistert, dass mit durch die neue Zone wieder mal eine Stunde geschenkt worden war. Dann ging ich früh in meinem leeren Mehrbettzimmer schlafen.
Am nächsten Morgen traf es mich wie der Schlag: Ich hatte mein Handtuch liegen lassen. Verdammt! Ich entschied mich dafür, zurückzufahren, um mir kein neues kaufen zu müssen. Naja... Es war nicht meine beste Idee. Durch einen riesigen Stau dauerte die Fahrt ewig. Ciudad del Este ist nämlich keine gewöhnliche Grenzstadt. Es ist der billige Einkaufsladen für Brasilien und Argentinien. Dementsprechend kann man überall mit allen Währungen zahlen, und alles ist voll mit Läden und Menschen. Ich verlor also durch mein Handtuch beinah den ganzen Tag. Um doch noch etwas zu unternehmen, brach ich auf zum berühmten Staudamm Itaipu. Aber ich war nicht von Glück verfolgt. Das Besucherzentrum schloss mittags... Frustriert kehrte ich zurück und ging Frustshoppen.
Der nächste Tag sollte besser werden. Deswegen brach ich früh auf, erneut zu Itaipu. Diesmal hatte ich mehr Glück, und ich musste nicht lange auf den Beginn einer kostenlosen geführten Tour warten. Diese begann mit einer eindrucksvollen Videovorstellung. Itaipu ist ein riesiges brasilianisch-paraguayisches Projekt. Nach 4-jähriger Bauzeit erzeugen 10 Turbinen 75% des in Paraguay benötigten und 25% des in Brasilien verbrauchten Stroms. Laut eigener Aussage und Vergleichen kann es Itaipu mit dem Drei-Schluchten-Damm in China aufnehmen. Als das Video endete, wurde die Truppe in einen Bus verfrachtet und endlich durften wir die Legende live bestaunen. Es war einfach ein riesiges Teil. Die nicht enden wollende Staumauer war riesig hoch. Dahinter öffnete sich ein riesiger blauer See. Wir begutachteten die riesige Maschinerie und staunten nicht schlecht angesichts der breiten Rohre, welche das Wasser leiteten. Ich war froh, dort gewesen zu sein, als ich mich auf den Rückweg machte. Nach meinem Mittagessen wollte ich zu einem nahen Wasserfall, welcher, laut Reiseführer, ohne die Iguazu-Fälle sicher ein Highlight in der Region wäre. Allerdings hatte ich meine Rechnung ohne den Sonntag gemacht. Es kam einfach absolut kein Bus, und als ich mich dann entschloss, ein Taxi zu nehmen, tauchte keines auf. Ich wollte schon aufgeben, da bog doch noch eines um die Ecke. Ich ergriff meine Chance. Und ja, es hat sich gelohnt. Der Salto de Monday, wie der Wasserfall heißt, ist echt ein Highlight. Ich war zu spät für die regulären Öffnungszeiten, was allerdings von Vorteil hatte, dass ich durch den Ausgang unbemerkt eintreten konnte. Ups... Den kleinen Park beachtete ich nicht weiter. Stattdessen ließ ich mich vom im Sonnenuntergang schimmernden Wasserfall berauschen. Mir erschien er so hoch wie die in Iguazu, einzig mit dem Unterschied, dass es eben nur ein einziger Fall ist. Aber auch hier fließt das Wasser ganz ruhig, um dann, ohne Vorwarnung, in die Tiefe zu stürzen. Unten fließt der Fluss wieder einfach weiter. Es ist beeindruckend, was die Natur alles so anstellt. Zufrieden kehrte ich zum wartenden Taxifahrer zurück, und der begann, mich auszufragen. Als er erfuhr, dass ich Deutsche bin, war er hellauf begeistert und berichtete von vielen deutschen Freunden und dass wir die doch zusammen hätten besuchen können, wäre ich länger geblieben. Dann brachte er mich heim, verlangte viel weniger, als die Fahrt wert gewesen wäre und bot mir an, mich am nächsten Morgen zum Terminal zu bringen. Ich stimmte zu, allein, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte und ihm dann am nächsten Morgen mehr zahlen wollte. Doch dazu kam es nicht. Ich wartete Montagmorgen pünktlich am vor der Tür - aber von meinem Taxi keine Spur. Schließlich riet mir der Rezeptionist vom Hostel, einfach loszulaufen. Das war gut, denn so erwischte ich 20 Minuten später noch einen Bus mit dem Ziel Asunción. Ich wusste um etwa 4-5 Stunden Fahrtzeit, womit ich spätestens gegen 16 Uhr in der Hauptstadt Paraguays landen sollte. Ja, denkste... Natürlich hielt der Bus in jedem Kaff, natürlich ließ er sich viel Zeit. Und natürlich kamen wir erst über 2 Stunden später als gedacht an. Mit Hilfe einer netten Dame der Touristeninformation im Terminal nahm ich ein Taxi zum Hostel. Doch von diesem war ich positiv überrascht. Es hieß"el jardin", also 'der Garten', und machte seinem Namen alle Ehre. Und so genoss ich meinen Reis, zwischen gut gelaunten Menschen und Blumenranken, wo er doppelt so gut schmeckte.
Mein letzter ausschließlicher Reisetag stand an. Mein Körper schien das zu spüren, und ich wachte früh auf. Nach dem leckeren Frühstück brach ich auf zur Erkundung der spannenden Stadt. Ich stellte fest, dass Asunción eine nicht zu übersehende koloniale Vergangenheit hat, und diese dem Stadtbild sehr gut tut. Die hellen Straßen waren gefüllt mit Menschen und Läden. Ich erkundete das Stadtzentrum, folgte dem Plan in meiner Hand, und entdeckte damit einige hübsche Fassaden. Dann wollte ich mir das sogenannte Cabildo, den Sitz der Regionalregierung, ansehen. Doch der Platz davor war von seltsamen Hütten und Zelten, in welchen offenbar Menschen hausten, belagert. Ich war mir nicht sicher, ob das politischer Protest oder ein Notunterkunftslager war, doch es erschien mir eher unheimlich, und so kehrte ich zum Hauptplatz zurück. Dort fand ich durch Zufall eine Informationsstelle zu einer Free Walking Tour. Ich fragte nach den Touren, und fand dabei heraus, dass die Tochter der paraguayischen Chefin mit ihrem deutschen Mann 10 Minuten von Freiburg entfernt wohnt! Wir waren uns einig, dass das Rheintal eben doch der schönste Teil Deutschlands ist ( ;) ), und dann verabschiedete ich mich für später. In Ermangelung anderer Ideen ging ich lecker Mittagessen. Dann, halb 3 Uhr nachmittags, begann die Führung der jungen, ambitionierten Einheimischen. Sie hatte ausser mir drei weitere Zuhörer: Ein brasilianisches Pärchen und einen Typen aus Chicago, USA. Mit dem war ich einer Meinung, dass Touren mit weniger Menschen viel besser waren. Und unser Guide machte ihre Sache sehr gut. Wir lernten von einem spanischen General, welcher lange nach der Stadtgründung 1578 die straßen schachbrettartig anlegen ließ, wobei einige Gebäude dran glauben mussten. Ich erfuhr, dass Paraguay als erstes Land seine Unabhängigkeit ausrief, und zudem als einziges wirklich friedlich, unblutig. Dann von den harten Kriegen, welche Paraguay mit seinen Nachbarn austrug. Von den vielen Einwanderern aus aller Welt, besonders viele aus Deutschland, welche sich in dem für Touristen unscheinbaren Land angesiedelt haben. Von der 35 Jahre andauernden Diktatur des gewählten Staatsoberhauptes Alfred Stroessner, der, wie der Name vermuten lässt, deutsche Wurzeln hat und sich im 3. Reich ausbilden ließ. Und von der Rückkehr zur Demokratie. Wir besuchten das ehemalige Parlament, was bis 2003 nur ein großer Raum für etwa 80 Abgeordnete und 40 Senatoren war, und erfuhren, dass seit 1989, seit dem Ende der Diktatur, ein Staatsoberhaupt nicht wiedergewählt werden kann. Als der derzeitige Präsident dies zu ändern versuchte, griffen wütende Bürger das Parlamentsgebäude vor einem Jahr an, wobei man bis heute Spuren von Steinen und eines Feuers sehen kann. Ausserdem erzählte sie uns, dass am selben Sonntag, also dem 22.04., die Präsidentschaftswahlen stattfinden würden und deswegen große Aufregung herrschte. Vor allem, da in einer der beiden größten Parteien ein Mann kandidiert, über welchen die Meinungen auseinander gehen: Sein Vater war die rechte Hand Stroessners. Und schließlich erfuhr ich, dass die Menschen, die vor dem Cabildo leben, aus einem Armenviertel stammen, welches abgerissen wurde. Jetzt wollen sie nicht an den ihnen zugewiesenen Platz umziehen und protestieren stattdessen still durch ihre Anwesenheit mitten im Zentrum.
Tja, zusammengefasst kann man sagen, ich lernte, wie wenig ich von diesem unglaublich vielseitigen Land wusste.

Nach Ende der Tour gab man mir den Tipp, das Museo de la Memoria, das Erinnerungsmuseum, zu besuchen. Dort würde es interessante Informationen und Details zur Zeit der Regierung unter Stroessner geben. Natürlich folgte ich diesem Rat. Laut einem Schild am Eingang hatte die Einrichtung zwar schon geschlossen, doch so leicht gab ich mich nicht geschlagen. Ich trat trotzdem ein, und ein netter älterer Herr empfing mich in den Räumen. Ich erklärte ihm, dass ich am nächsten Morgen nicht wiederkommen könne und so interessiert wäre, und er ließ sich überreden. Er erzählte mir davon, dass dieses Haus eine Foltereinrichtung gewesen war, und dass man viele Beweise vernichtet hatte. Doch unter Stroessner verschwanden viele Regierungsgegner, Oppositionelle und Kommunisten, und niemand kennt ihren Verbleib. Auch in Paraguay gab es Konzentrationslager, und in jedem Raum wurde ich etwas geschockter. Schließlich gelangte ich zum negativen Höhepunkt: Eine nachgestellte Gefängniszelle. Nachgestellt ist sie deshalb, da alle Spuren nach Ende der Regierungszeit vernichtet worden waren. Der Guide erzählte mir von den verdammt grausamen Methoden und von vielen Opfern, die ihm sein Herz ausgeschüttet hätten. Ich war absolut sprachlos. Er meinte "nun ja, in Deutschland habt ihr das noch schlimmer", aber ich machte ihm klar, dass jeder gefolterte Mensch einer zu viel ist. Und dass dies keine der dort geschehenen Taten irgendwie besser macht. Er erklärte traurig, dass Paraguay sich nicht wehrte und bis heute auch kaum erinnert, weswegen besagter Kandidat gute Aussichten hat, gewählt zu werden. Es war ein zutiefst berührender und deprimierender Besuch. Doch es hat sich definitiv gelohnt.
Meine letzte Nacht in Paraguay brach an. In meinem Hostel wurde ein argentinisches asado veranstaltet, also richtig viel Fleisch gegrillt. Anstatt zu kochen, schloss ich mich ihnen an. Und mit Gitarre und witzigen Leuten wurde es ein toller Abend. Wir blieben sitzen, bis mich um 2 Uhr mein Taxi abholte. Ich wurde zum Flughafen gebracht, wo mich ein Flieger nach Lima bringen sollte, für eine letzte Nacht. Doch am Flughafen stellte sich heraus, dass Paraguay mich schön verarscht hat. (Entschuldigung.)
Und zwar hat der Bus bei der Einreise nach Paraguay nicht am Grenzposten gehalten. Ich bin ja zweimal eingereist, und jeweils hat den Busfahrer die Zollstation nicht interessiert. Mich hat das stutzig gemacht, doch ich dachte, das hätte schon seine Richtigkeit, immerhin machen die das ja jeden Tag. Ausserdem gibt es Länder, die den Pass nicht stempeln. Nun gut, Paraguay gehört nicht dazu. Ich musste beim Ausreisen eine Strafe zahlen. Ja, ich hab selber Schuld, und trotzdem bin ich sauer. Wahrscheinlich machen die so ihr Geld mit ahnungslosen Touristen.
Mies gelaunt stieg ich in den Flieger. Der Flug verlief dann glücklicherweise ohne weitere Probleme, und ich konnte den bestellten Shuttle nehmen. Der Fahrer empfing mich sehr neugierig. Er möchte Deutsch lernen und sang mir die ganze Fahrt Lieder vor, die ich zum Glück an der Melodie erkannte. Aber ich muss sagen, er machte sich echt gut. Dann kam ich zum letzten Mal in "mein" Hostel nach Lima. Die Angestellten erkannten mich alle wieder und freuten sich, mich zu sehen. Es war echt ein wenig wie "heim kommen". Ich lief durch die mir bekannten Straßen, aß ein Omelette zum Frühstück und ging ein wenig Souvenirs shoppen. Dann kehrte ich ins Hostel zurück, um zu schlafen. Aber dazu kam es nicht. Ich lag noch nicht lange im Bett, als meine Zimmergenossin kam. Sie steht gerade am Anfang ihrer Peru-Bolivien-Chile- Argentinien-Tour und wir vertieften uns in ein Gespräch über Ziele und Highlights in Peru. Sie war dankbar für meine Hilfe. Dann brach ich nochmal auf. Ein letztes Mal wollte ich das Meer sehen, den Pazifik. Ich lief die breite Straße hinunter, erkannte sogar ein paar Bettler wieder, und gelangte an die Promenade. Ich stellte mich ans Geländer, mit Musik in den Ohren, streckte mein Gesicht in die Sonne und die Nase in die Meeresluft. Und ich dachte daran, wie ich dort das erste Mal stand, vor beinahe 7 Monaten, im September, ein paar Tage nach meiner Landung in Lima. Wie ich damals voller ängstlicher Vorfreude auf die kommenden Monate blickte, ohne eine Ahnung, was mich erwartete. Ich dachte daran, wie glücklich ich gewesen war, nach der Schule endlich reisen gehen zu können, und wie lange ich darauf hingearbeitet hatte. Ich erinnerte mich an all die Stationen, die ich durchlaufen habe, angefangen in Andahuaylas mit Emily. Das kommt mir so weit entfernt vor. Und ich verstand, dass diese Zeit jetzt vorbei war. Die letzten Tage hatte ich immer noch sagen können "es sind noch xy Tage, ich bin noch 2 Wochen da". Doch jetzt war es vorbei. Die Reise hat ein Ende. Ja, meine Lieben. Ich habe dort oben, am Geländer oberhalb der Steinküste, angefangen zu weinen. Es hat mich einfach übermannt.
Als ich mich beruhigt hatte, nahm ich Abschied, drehte mich um und kehrte zurück in die Stadt. Ein letztes Mal über den Markt schlendern, einen letzten frischen Fruchtsaft trinken. Ein letztes Mal.
Zurück im Hostel wollte ich eigentlich nur schnell duschen, doch Dani, wie meine englische Zimmergenossin übrigens hieß, entdeckte mich und überredete mich zu einem gemeinsamen Abendessen. Wir schafften es sogar irgendwann, uns auf ein Restaurant zu einigen, und ich aß lomo saltado (werde ich mal in Deutschland kochen, versprochen). Wir redeten über all das, was vor und hinter uns lag, tranken Pisco Sour und genossen Reaggeton. Sie erzählte von Zweifeln, da sie gerade erst aus Kolumbien angereist war, und von schönen Erinnerungen, und ich berichtete von Highlights und Tiefpunkten. Es war spät, als wir zurückkehrten. Sie schlief auf der Stelle angezogen ein, während ich den Rest packte. Es hieß nämlich noch einmal: Früh aufstehen. Für meinen Flug um 10:40 sollte ich mindestens 2 Stunden früher da sein, und der Bus brauchte eine Stunde, und ich brauchte eine Stunde, um zum Bus zu kommen. Ich schlich verschlafen aus dem Zimmer, verabschiedete mich und ging hinaus. Das war es also. Im Bus, als wir den Pazifik hinter uns ließen, musste ich noch einmal weinen. Am Flughafen lief dieses Mal alles glatt, doch vor lauter Aufregung und wenig Schlaf wurde mir ein wenig schlecht...
Nun gut, einen großen Teil der Abreise habe ich überstanden, vor 2,5 Stunden bin ich auf europäischen Boden gelandet. Jetzt bin ich auf dem Weg nach Frankfurt und kann nicht schlafen, was ich heute Nachmittag mit großer Wahrscheinlichkeit verfluchen werde. In Peru ist es gerade mitten in der Nacht, doch mein Körper ist gerade komplett verwirrt, wann er noch müde sein darf.
Tja. Das war's dann wohl. In wenigen Stunden bin ich zurück im schönen Steinenstadt, beziehe mein Zimmer und esse leckere Spätzle. Und der Alltag wird mich wieder einholen. Noch kann ich mir das nicht vorstellen...

Doch ich bin sicher, diese Reise wird mich nie wieder loslassen. All die Erlebnisse haben sich in mein Herz gefressen. All die Bilder. Von großen Städten und kleinen Dörfchen, von beeindruckenden Landschaften und schöner Architektur, von tollen Menschen, von verrückten Tieren, von hohen Bergen und weiten Wüsten. Ach von all den schönen Dingen, die ich sehen durfte. Ich bin so dankbar. Danke, dass ihr dabei wart.
Ich wünsche Euch noch ein tolles Wochenende. Und ich hoffe, wir werden uns bald wieder sehen!

Ganz viele liebe Grüße,
Eure Carmen

P.S.: Bitte entschuldigt meine sentimentalen Ausfälle, das ist gerade meine Stimmung...

18April
2018

Verdammt!

Meine lieben Leute, mein allerletzter Tag auf diesem tollen Kontinent ist angebrochen. Ich will nicht weg hier und bin sehr sehr aufgeregt, übermorgen wieder bei Euch zu sein! Bleibt dann noch ein paar Tage dran, ich schicke die fehlenden Artikel noch nach. Es ist so unglaublich, dass morgen alles vorbei sein wir. Jeder Abschied ist ein neuer Anfang, und ich freue mich auf diesen Neuanfang.

Jetzt aber entschuldigt mich, ich muss meine letzten 20 Stunden hier genießen.

Haut rein meine lieben Leser, die ihr so lange durchgehalten habt!

 

P.S.: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat 2!

13April
2018

Iguazu!

So ein Mist. Hätte ich mal den letzten Artikel fertig geschrieben! Ich weiß nämlich nicht, wie ich jetzt noch hinterher kommen soll... Aber beginnen wir von vorn.

In Humamarca, wo ich war, fand ich ein paar coole Ziele, sodass ich noch am selben Abend auf einen Aussichtspunkt oberhalb der Stadt aufstieg und den Blick genoss. Ich bin so ein Glückspilz, ich kam genau mit den ersten Regentropfen im Hostel wieder an! Den Abend genoss ich bei strömenden Regen in der Küche mit Rührei und Gitarre eines Argentiniers. :)
Am nächsten Morgen machte ich mich früh auf, um an einer Tour zum "hornocal", zum Berg mit 14 Farben, zu machen. In unserem Auto waren witzigerweise alle aus dem selben Hostel! Der Blick war echt toll. Die Regenbogenberge in Cusco habe ich ja leider nicht gesehen, und so fand ich hier meinen Ausgleich. Direkt danach nahm ich einen Bus ins nächste Dorf: Tilcara. Immer noch befand ich mich mitten in der Quebrada, einer beeindruckenden Landschaft. Ich fand wieder gleich ein Hostel und leckeres Essen, und gestärkt besuchte ich am Nachmittag eine nahegelegene Ruinenstätte namens Pucara. Diese stammt von einer Kultur vor den Inka und ist teilweise rekonstruiert worden, um sich die Ausmaße und Umgebung besser vorstellen zu können. Es steht zumindest fest: Die damaligen Menschen waren kleiner als ich. Ich stapfte ein wenig durch die Kaktuslandschaft, an verschiedenen ehemaligen Gemeindegebäuden entlang (eines wird unsinnigerweise Kirche genannt, obwohl doch eine Kirche zum Christentum gehört und die Einwohner sicher keine Christen waren) bevor ich den Höhepunkt erreichte. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn an der höchsten Stelle steht eine Art Pyramide, welche weithin gut sichtbar ist. Ich nahm selbstverständlich an, dass dies Teil des damaligen Stadtbildes war. Aber ich habe meine Rechnung ohne die Argentinier gemacht: Diese Pyramide ist ein Monument in Hommage an die führenden Archäologen, welche Pucara maßgeblich mit ausgruben. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Dieses Teil ließ einen vergessen, warum man da war, es gibt ein falsches Bild und ist vollkommen übertrieben. Das schlimmste jedoch war die Tatsache, dass man mit dem Bau "ausversehen" archäologisch wertvolle Hinterlassenschaften darunter zerstört und begraben hat. Ich war entsetzt. Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, dass sich die Wissenschaftler über diese Verschandelung sehr gefreut haben...
Auf meinem Rückweg vernahm ich Musik aus der Ferne. Die Menschenmenge am Wegesrand kündigte einen Marsch an. Und ich hatte Recht: Zur Semana Santa, der Osterwoche, gibt es immer wieder Umzüge, zu denen man eine Jungfrau nach Wahl ein wenig spazieren trägt. Leider hatte ich das Pech, dass wenige Meter vor der Stadt, wo ich wartete, die ganze Kolonne eine Essens- und Bierpause machte. Der Hunger trieb mich also leider zurück ins Hostel, ohne den Umzug gesehen zu haben (wieder mit viel Dusel, da der Himmel erst seine Schleusen öffnete, als ich schon in Sicherheit war).
Am nächsten Morgen machte ich einen Ausflug zu einer nahegelegenen Lagune, die leider etwas flach und dreckig war. Ich genoss trotzdem die Sonnenstrahlen und frische Luft. Nach dem Mittagessen nahm ich schon den nächsten Bus, diesmal in eine größere Stadt: San Salvador de Jujuy. Ich kam etwas verschwitzt im Zentrum an, da mit sinkenden Höhenmetern die Temperatur gestiegen war, und hatte weder Unterkunft noch einen Stadtplan. Zum Glück fand ich die Touristeninformation, welche mir auch keine Hoffnung machte, im angestrebten Hostel (ich hatte einen Namen von Larissa bekommen) unterzukommen. Also machte ich mich auf den Weg zu verschiedenen anderen Optionen. Ich hatte noch zweimal kein Glück, bevor ich in einer Seitenstraße das Hostel Jujuy entdeckte. Es empfing mich ein supernetter älterer Herr, der sich über mich freute, und führte mich zu einem freien Bett. Ich ging lecker Pizza essen, bevor ich in einen tiefen Schlaf fiel.
In Jujuy hatte ich Pech mit dem Datum. Es war Karfreitag, als ich die Stadt erkunden wollte, und bis auf Bankautomaten und Eisdielen hatte kein Museum oder sonst interessanter Ort geöffnet. Also verbrachte ich den Tag mit verschiedenem organisatorischen Zeug und mit der Suche nach Obst (erst als ich schon aufgeben wollte, stellte ich fest, dass genau eine Ecke vom Hostel entfernt eine Fruteria [eine Art Obstladen] zu finden war...). Dann, also ich gerade meinen leckeren Pfirsich vernaschte, erzählte mir mein Herbergsvater, dass es eine Prozession am Abend geben würde. Es war echt schön in dem Hostel, ich hab mich ein wenig wie zu Besuch bei meinem Opa gefühlt. Nun gut, diese Prozession war eine gute Idee, vor allem, da ich den Tag nur mit langweiligem Zeug verbracht habe. Als ich auf den Hauptplatz gelangte, war ich echt überrascht. Der Platz war gefüllt mit wartenden Menschen, welche gespannt auf die Kirche blickten. Diese war hell erleuchtet, und offenbar mit Menschen gefüllt. Riesige Lautsprecher übermittelten die Predigt live auf den Platz, wo bei jedem Vater Unser mitgebetet wurde. Es war ein riesiges katholisches Treffen! Ich war echt beeindruckt und gespannt, was passieren würde. Nach dem Schlussgebet strömten alle Gottesdienstbesucher auf den Platz, und eine schräg vor der Kirche aufgebaute Bühne wurde erleuchtet. Dann wurde der Ablauf erklärt: Ein Nachspiel des Leidensweges Jesu einmal rund um den Platz! Es war ein Spektakel, und echt super organisiert muss ich sagen. Vor der Kirche wurde das Abendmahl nachgestellt, durch Livemusik begleitet. Dann wurde 'Jesus' durch jüdische Truppen abgeführt. Dabei brachten sie ihn die Straße entlang zur nächsten Bühne. Die Idee war klasse. Jeder der Anwesenden konnte sich als Teil des Geschehens fühlen und den Weg quasi live mitverfolgen. Mit der katholischen Kirche, gerade der in Jujuy, habe ich wenig zu schaffen, doch das hat sie gut gemacht. Ich habe das Spektakel jedoch nicht bis zum Ende verfolgt, der Abendessenshunger trieb mich zurück. Diese Prozession war definitiv mein Tageshighlight! Am Ostersamstag brach ich nach dem Frühstück auf nach Salta, der nächsten großen Stadt in erreichbarer Entfernung. Ich hatte mir den Namen und die Adresse des Hostels notiert, jedoch nicht nachgeschaut, wie ich dorthin kommen konnte... Glücklicherweise war der Weg vom Terminal nicht weit, und ich fand es sogar ohne Karte. Am Nachmittag erkundete ich ein wenig die Stadt. Das Zentrum Saltas ist wirklich sehenswert. Saubere, helle Straßen, hohe, gepflegte Kirchen und leckere Empanadas prägen das Bild der Provinzhauptstadt. Aufgrund der Feiertage hatte nur alles geschlossen, sodass ich mich mit Essen für die nächsten Tage eindeckte und ein wenig durch die Straßen schlenderte. Der Abend war zunächst etwas langweilig und ich fand nicht so recht Anschluss. Doch dann, als ich gerade schlafen gehen wollte, entdeckte ich den zweiten Hof, wo gerade der Grill angeschmissen wurde (es war 10 Uhr abends wohlgemerkt!). Dort wurde ich freundlich aufgenommen, und so konnte ich noch mitten in der Nacht vom berühmten argentinischen Asado probieren. Das Fleisch war super lecker!
Als ich am nächsten Morgen um 10 Uhr in die Küche kam, um zu frühstücken, hatte sich die Truppe vom Vorabend versammelt und aß übermüdet Essenreste. Ich fühlte mich wie in einer Studenten-WG! Nach dem Frühstück brachen wir zu viert auf, um mit der Gondel den nahegelegenen Aussichtsberg zu besuchen. Wir nahmen angesichts der Schlange jedoch bergauf doch lieber ein Taxi. Der Ausflug war jedoch nicht nur von uns eine Idee. Ostersonntag, und dazu schönes Wetter... Trotzdem konnten wir den Blick genießen, und im Café bekamen wir sogar einen Cappuccino beziehungsweise ein Bier mit Ausblick. Es war echt witzig, da unsere Truppe aus einem Bolivianer, einem Kolumbianer, einer Schwedin und einer Deutschen (mir) bestand. Wir wurden zweimal nach unserer Herkunft gefragt, und die Fragenden waren jedes Mal eher verwirrt. Als wir am frühen Nachmittag zurückkehrten, brachen leider der Bolivianer und die Schwedin (sie arbeitet in Bolivien) schon auf, sodass ich den Nachmittag mit einem Mittagsschlaf einläutete. Dann aß ich noch ein wenig Schokoeier (die ich mir selber kaufen musste :( ) und telefonierte nach Deutschland. Meine Eltern jedoch hatten an diesem Sonntag keine Zeit für mich. Dafür telefonierten wir am Montagmorgen, bevor ich zum wandern aufbrach. Ein kleines Dorf in der Nähe lud dazu geradezu ein, und ich wollte mir das natürlich nicht entgehen lassen. Ich fand auch tatsächlich einen schönen, einsamen Weg, doch als ich an einem netten Platz gemütlich meine mitgebrachte Avocado mit Toast genießen wollte, zog sich der Himmel zu.

Ach, das wird nichts mehr. Seit dem Tag meiner Wanderung sind eineinhalb Wochen vergangen, voll mit ereignsreichen und spannenden Tagen. Ich werde euch einen Bericht über diese Zeit nachreichen, wenn ich wieder zurück bin! Denn, was mir gerade viel mehr im Kopf herumspukt: Ich habe euch doch angekündigt (zumindest im Seitentext), dass mein Ziel sei, die Iguazu-Wasserfälle zu erreichen. Und ratet einmal wo ich gerade bin... Richtig! In Puerto Iguazu, dem Ort auf der argentinischen Seite! An den letzten beiden Tagen habe ich auch ein definitives Highlight meiner Reise besucht. Und das war so...

Vorgestern, am 11. April, stand ich morgens voller Spannung und Vorfreude auf. Endlich würde ich die berümten Wasserfälle sehen! Nach einem leckeren Frühstück packte ich meinen Tagesrucksack und brach auf zur Haltestelle, wo mich ein ziemlich voller Bus abholte. Schon wenige Zeit später stand ich vor dem Park, besorgte mir ein Ticket (das läuft wie im Europapark dort) und durfte dann hinein, in den Parque Nacional de las Cataratas de Iguazu. Juhuu! Mit der Bimmelbahn, welche die einzelnen Parkstationen miteinander verbindet, ging es ab zum ersten Stopp. Dort gingen Fußwege los, die einen direkt an die Fälle heranbringen sollten. Ich stapfte los durch den Urwald, als sich vor mir plötzlich die Aussicht öffnete. Und dort lagen sie, die Wasserfälle! Weiß und tosend brausten die Wassermengen hinab. Es war einfach beeindruckend. Leichten Fußes und bester Laune stürmte ich von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Immer näher kam der Weg den Fällen. Dabei konnte man auch sehen, wie ruhig das Wasser oben floss, bevor es unvermittelt hinabstürzte. Ich könnte stundenlang von diesem Blick schwärmen, aber seht doch einfach selbst:

  Iguazu1 Iguazu2 Iguazu3 Iguazu4 

embarassed

Ich bekam mit der Zeit mächtig Hunger und beschloss, eine Mittagspause einzulegen. Das gefiel den vielen Nasenbären im Park aber gar nicht. Die frechen und teilweise geradezu aggressiven Tiere wollten auch etwas von meinem Brötchen abhaben (und nicht nur von meinem), weswegen ich nicht draußen essen konnte. Und dann stand der Höhepunkt des Parkes an. Mit dem Zug ging es hoch zur Endstation. Von dort aus führte ein Pfad quer über viel Wasser und die Fälle entlang, bis ich zu einer Platform gelangte. Und diese stand genau neben dem "Garganta de Diablo", dem Teufelsrachen. Dieser ist das Herzstück der Fälle. Denn hier fällt das Wasser in Massen hinunter, die man sich nicht vorstellen kann. Und ich war mittendrin. Es war sehr naß und mein Shirt fühlte sich bald leicht durchgeweicht an, doch ich wollte mich absolut nicht von dem Ausblick losreißen. Von hier oben konnte ich auch erkennen, wie verdammt tief der Fluss stürzte. Unglaublich beeindruckend.

Iguazu5 Iguazu6 

Ich kehrte müde und glücklich zurück in die Stadt, ging noch ein Eis essen und ließ den Tag ruhig ausklingen. Denn schon am nächsten Morgen (also gestern) ging es weiter. Wieder stand ich relativ früh auf, frühstückte und zog los zum Bus. Ich hatte allerdings kein Glück und musste eine Weile auf den Bus warten, der mich wieder zu den Wasserfällen bringen sollte. Diesmal allerdings auf die brasilianische Seite! Im Bus lernte ich eine zusammengewürfelte Truppe aus einer Schweizerin, einer Chilenin und einem Mädchen aus Panama kennen, da wir als einzige Mitfahrer ohne argentinische Staatsangehörigkeit doppelt durch die Grenzkontrolle mussten. Das erste Mal, dass ich einen Fuß auf brasilianischen Boden setzte! Es war ein tolles Gefühl, und ich schwor mir, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein sollte. Dann kamen wir zum Park, der etwas kleiner ist als sein argentinisches Gegenüber. Diesmal ging es nicht mit einer Bimmelbahn, sondern mit einem Bus bis zum Wasserfallpfad. Und hier eröffnete sich noch einmal eine komplett andere Perspektive. Die Wasserfälle zeigten sich hier nicht von der Seite, sondern ließen sich von vorne bestaunen. Es war ein toller Blick über all die vielen kleinen Fälle, die kein Ende zu nehmen schienen. Wir gelangten wieder bis zum Herzstück, dem Teufelsrachen. Hier führte auch eine Art Steg mitten hinein ins Geschehen. Es war ein wahnsinnig toller Blick. Vor uns die hohen Fälle, neben uns aber auch und auch unter uns gab es Wasser. Von Wasserfällen umgeben wusste ich gar nicht, wohin ich schauen sollte. Wieder wurden alle sehr nass, aber wieder war es vollkommen egal. DIeser Blick! So viel tosendem Wasser so nah zu sein, es war einfach nur ein unbeschreibliches Gefühl.

Danach folgte eine Fahrt im Panorama-Fahrstuhl, an einem Wasserfall hinauf. Ein letztes Mal durften wir uns am unfassbar tollen Blick erfreuen (und Bilder machen). Dann war der Weg auch schon zuende. Nach einem sättigenden Mittagessen fuhren wir zu Viert zurück zum Ausgang und besuchten den nahegelegenen Vogelpark. Hier bekamen wir von Eulen und Adlern über Flamingos bis zu Aras unglaublich viele fliegende Tiere zu sehen, und es gab sogar ein Mariposario, einen Schmetterlingskäfig. Die Zeit bis zur Abfahrt des Busses ging schnell rum. Zurück nach Argentinien, ich sagte Brasilien auf unbestimmte (hoffentlich nicht allzu lange) Zeit Auf WIedersehen. Am Abend lernte ich zwei Berlinerinnen im Hostel kennen, und wir redeten noch lange.

Tja, das war es also. Ich war bei den Iguazu-Fällen. Wie unglaublich ist das denn! Fun Fact am Rande: Meine Eltern waren auch schomal hier. Vor etwa 17 Jahren wurde ich bei Oma abgeladen, damit sie einen Brasilienurlaub machen konnten. Und vielleicht stand ich gestern genau vor ihrem damaligen Hotel! laughing

Es ist also meine letzte Woche hier angebrochen. Kinder, Kinder, die Zeit rennt. In einer Woche um diese Zeit werde ich schon zurück auf deutschem Boden sein. Ich mag gar nicht daran denken... Ich werde die restlichen Tage in Paraguay verbringen, dann nach Lima fliegen und von dort aus meinen Heimflug antreten. Ich kann mir noch nicht vorstellen, nicht mehr aus dem Rucksack zu leben und in meinem eigenen Bett zu schlafen, aber ich freue mich schon darauf, Euch wiederzusehen.

In diesem Sinne, lasst Euch die Zeit nicht zu lange werden, überlebt den Freitag, den 13., und bis bald!

Viele liebe Grüße aus der Ferne,

Eure Carmen

Iguazu7

31März
2018

Bolivien!

Meine treuen Leser! Ich bin immer noch nicht beim heutigen Tag angekommen... Aber ich bin schon stolz, dass ich es so weit geschafft habe. Und weil ich langsam Hunger bekomme und mir gleich mal etwas kochen werde (keine Nudeln, wer glaubt das denn?!) schicke ich Euch diesen Artikel mit Ostergrüßen raus. Viel Spaß!

Nachdem ich Samstagabend lecker Huhn essen war, war auch schon Sonntag. Und endlich damit der Tag, an dem ich Larissa und Franziska sehen würde. Die beiden waren mit in der Nacht im Hostel angekommen und noch nicht wach, als ich frühstücken ging. Kurze Zeit später hörte ich sie jedoch im Innenhof und die Wiedersehensfreude war natürlich groß! Wir unterhielten uns eine Weile, während sie aßen, und dann brachen wir gemeinsam auf, auf der Suche nach einer Uyuni-Tour. Denn dafür hatten wir uns eigentlich getroffen. Voller Vorfreude stürmten wir das erste Büro. Doch die Ernüchterung kam schnell: Auf der Route, welche wir nehmen wollten, blockierten Einheimische die Straßen. Sie verlangten asphaltierte Straßen. Und uns wurde damit ein Strich durch die Rechnung gemacht, da wir eine 3-Tages-Tour dort entlang machen wollten. Ernüchtert fragten wir uns weiter durch, doch immer wurden uns nur Touren für einen Tag angeboten, was wir eigentlich nicht wollten. Es dauerte bis zum Abend, bis wir die rettende Lösung fanden: 4 Tage über einen Umweg. Wir schlugen zu! Denn wennschon dennschon, das war unser Motto. Am nächsten Morgen ging es los.

Unser Guide hieß Augustín, und mit einer Gruppe von 6 Leuten brachen wir auf zum Salar de Uyuni. Dieser war vor langer Zeit ein salziger See, wobei das Wasser über die Jahrhunderte kondensierte. Zurück blieb das Salz. Und zwar unglaublich viel Salz! Auf einer Breite von bis zu 130 Kilometern, einer Länge von 180 Kilometern, einer Tiefe von bis zu 120 Metern und einer Fläche von 12000 Quadratkilometern ist einfach alles Salz. Gerade in der Regenzeit war ein Großteil der Fläche überflutet, und der Himmel spiegelte sich im Wasser. Es war in alle Richtungen einfach nichts als Salz zu sehen. Wir gelangten an ein ehemaliges Salzhotel mitten im Salar und durften dort erst einmal Bilder machen. Natürlich tobten wir uns sofort aus. Wir sind echt zufrieden mit den Resultaten!

Selfie! Bilder im Salar. tongue-out

Dann gab es leckeres Mittagessen, und wir genossen noch eine Weile den unendlichen Blick in alle Richtungen. Dann begann es leider zu regnen, und wir entschlossen uns, in die Stadt zurückzukehren. Bevor wir den Salar verließen, schossen wir ein paar letzte Bilder. Es war einfach eine unglaubliche Landschaft.
Wir kehrten zurück nach Uyuni, wo wir diese Nacht bleiben würden. Die üblichen Wege waren blockiert, und wir mussten einen Umweg nehmen. Nach einem leckeren, sättigen Abendessen und einer sehr angenehmen Dusche, bei der wir das salzige Gefühl loswurden, ging es früh ins Bett. Denn der zweite Tag begann schon um 5 Uhr morgens mit dem unbarmherzigen Klingeln des Weckers. Wir packten, frühstückten und platzierten uns dann im Geländewagen. Eine lange Fahrt lag vor uns, bevor wir unser Tagesziel erreichen sollten. Wir waren um jeden Stopp froh, welcher auf der Strecke eingeplant war. Nach ein paar Aussichtspunkten hielten wir in einer Geisterstadt, welche Anfang des 16. Jahrhunderts besiedelt wurde, um Minenarbeiter unterzubringen. Bolivien ist voll von Rohstoffen und Bodenschätzen, welche nur darauf warten, geborgen zu werden. Aktuell wird dies durch die Politik des indigenen Präsidenten Evo Morales behindert, welcher 50% des Gewinns für sein Land behalten will, worauf sich natürlich kein internationales Unternehmen einlässt. Als die Spanier jedoch ankamen, ließen sie Ureinwohner für sich in den Minen arbeiten. Bis schließlich vor etwa 300 Jahren dieses Dorf ausstarb. Einige verließen es, doch viele erlagen einer Epidemie, welche ganze Familien auslöschte. Seitdem wollte niemand die verlassenen Häuser besiedeln, wegen der Abgeschiedenheit, da es keine Arbeit mehr gab und Angst vor den gebliebenen Geistern, also aus Aberglauben. Wir stromerten ein wenig durch die Ruinen, bevor es weiterging. Mitten in der Pampa gab es Mittagessen, welches wir auf dem Boden sitzend genossen. Unser Guide erzählte etwas von Flamingofleisch, aber der erzählte generell viel, wenn der Tag lang war. :D
Einige Stunden später lag sie endlich vor uns: Die Laguna Colorada, der bunte See. Algen, welche in der flachen Lagune direkt unter der Wasseroberfläche lagen, wurden vom Wind bewegt und dadurch entsteht irgendwie eine rötliche Farbe. Es war echt schön anzusehen. Zudem hatten sich super viele Flamingos im flachen Wasser versammelt, welche uns etwas skeptisch entgegenblickten. Der starke Wind und die Höhe schafften es nicht, uns diesen Blick zu versauen.

laguna colorada 1 laguna colorada 2

Diese Nacht ging es nach leckeren Nudeln wieder früh ins Bett.
Zu unchristlicher Zeit (noch vor 4 Uhr morgens) klingelte der Wecker. Doch schon beim ersten Schritt aus der Tür wurden wir belohnt: Über uns öffnete sich der sternenklare Himmel. Die dunkle Nacht, frei von jeglichen Lichtern, wurde durch die Milchstraße beleuchtet. Es waren unzählige Sterne. Nach einem müden Frühstück ging es los durch die undurchdringliche Dunkelheit, ein paar Kilometer bergauf (im Auto glücklicherweise). Und wieder lohnte sich die Fahrt. Schon bald kamen wir bei stark dampfenden Geysiren an, welche im Morgengrauen leuchteten.

Geysiere Bei den Geysieren im Morgengrauen.

Es war ein spannender Anblick. Und es stank nach Schwefel, wenn man zu nah an den heißen Becken stand. Manche davon sollen bis zu 140 Grad Celsius heiß sein! Es kamen sogar schon Leute um, die in das flache Wasser gefallen sind, und darauf legten wir es definitiv nicht an. Die Sonne ging langsam auf, und wir fuhren durch die leuchtende Landschaft zu einer weiteren Lagune. Dort gab es heiße Quellen, und wir durften baden gehen. Das war klasse! Leider vergaß ich, meine schöne Uhr auszuziehen, was sie mir sehr übel nahm. Aber das warme Wasser weckte Lebensgeister. Nach nicht allzu langer Zeit schon war es genug der Wärme, wir zogen uns wieder um unsere Gruppe zog weiter in Richtung des nächsten Stopps. Plötzlich waren wir mitten in einer Sandwüste. Auf der linken Seite tauchten seltsame Felsformationen (übriges Lavagestein) auf, und wir erfuhren, dass diese Wüste nach dem spanischen Maler Salvador Dalí benannt ist. Dieser malte einmal eine Landschaft, die dieser Wüste erstaunlich ähnlich sah, ohne jemals dort gewesen zu sein. Tatsächlich sah die Landschaft sehr abstrakt aus. Vorher waren wir immer an sanfte Hügel, ein wenig Gras und kleine Sträucher vorbei gekommen. Am Morgen noch standen wir auf einer felsigen Bergspritze und jetzt plötzlich war um uns herum Wüste. In der Ferne erhoben sich Vulkane, deren schneebedeckte Spitzen unglaublich verrückt aussahen. Wir schossen ein paar Gruppenfotos.

Wüste Wüste Gruppenbild

Der nächste Stopp war schon der letzte der anderen Hälfte unserer Gruppe. Wir hielten oberhalb eines Sees, welcher Laguna Verde, grüne Lagune, genannt wird. Wie bei der Laguna Colorada entsteht auch hier die Farbe durch vom Wind bewegte Algen. Da es jedoch noch früh am Morgen war, hatte der Wind noch nicht viel Zeit gehabt und die Lagune lag bläulich vor uns. Wir verabschiedeten uns vom Rest der Gruppe, welchen unser Guide zur Grenze nach Chile brachte, während wir mit Blick auf den See bei Keksen warteten. Die Grenze war schon sehr nah, wir konnten argentinische Gebirgszüge und einen teilweise chilenischen Vulkan sehen, weswegen Augustin bald zurückkehrte. Er lud uns wieder ein, und jetzt begann die Party-Zeit im Jeep. Wir verbanden unsere eigene Musik und sangen begeistert mit. Wir stoppten bei einer weiteren Lagune, wo sich wieder unzählige Flamingos eingefunden hatten.

Flamingos viele Flamingos!

Wir liefen ein Stück in den See hinein, auf einer Art natürlichem Steg, und freuten uns über die friedlichen und erstaunlich lauten Tiere um uns herum. Unser Guide fing an, einiges von dem weißen Zeug, was überall herum lag und an einer Stelle sogar aufgetürmt war, in einen Sack zu füllen. Er erklärte uns, dies sei natürliches Waschmittel und er nehme etwas für seine Mutter mit. Wir ließen uns überzeugen, auch einen Klumpen des Pulvers einzupacken. Dann sprach er davon, dass man das essen könnte und wir doch mal daran lecken sollten. Wir waren skeptisch, doch Augustin beharrte darauf, leckte selbst daran und meinte, das scharfe ginge weg und dann käme der Geschmack. Also lenkten Larissa und Franzi ein wenig daran und verzogen das Gesicht. Augustin begann zu lachen und rief: "ihr habt Flamingo-Scheiße gegessen!". Hach ja, ich fand es witzig. laughing
Trotzdem behielten wir unseren Klumpen und liefen zurück zum Jeep. Es folgten viele Lagunen links und rechts, unterschiedlich groß, und verschiedene Landschaften. Immer wieder kreuzen Nandus (in dieser Gegend freilebende Strauße), Lamas und Vicuñas unseren Weg. Zum Mittagessen hielten wir an einem klaren Bachlauf und halfen beim Schneiden von Tomaten und Gurken, welche es zu Dosenfisch und Reis gab. Im Gras sitzend genossen wir die Sonnenstrahlen und die Orangen zum Nachtisch.

Mittagessen 

Mittagessen schmeckt auch auf dem Boden. (Das Bild ist von einem anderen Tag)

Am Nachmittag gelangten wir in ein kleines Dorf, welches irgendwo im Nirgendwo hinter Hügeln auftauchte. Hier, im Geburtshaus unseres Guides, würden wir die letzte Nacht verbringen. Dieses Haus war eine Lehmhütte, in welcher wir ein Zimmer mit drei Betten am Innenhof bekamen. Das war nochmal ein anderes Level als ich kannte. Doch die Gastgeber gaben sich wirklich Mühe. Es gab eine warme Dusche, und alles war so gut es geht sauber. Vor dem Tee besuchten wir die Lamas vor dem Haus, doch sie ließen sich nicht streicheln und nahmen immer reißaus.

Lamas

Daraufhin bot uns Agustín an, am nächsten Morgen ein paar der tollen Tiere, welche seiner Familie gehörten, zu streicheln. Natürlich waren wir begeistert! Das Abendessen war wieder einmal sehr lecker, es gab sogar Dosenananas zum Nachtisch. Da haben wir echt Glück bei dieser Agentur gehabt, nach all den Horrorgeschichten, welche man über die Touren lesen kann. Die letzte der drei Nächte war ein wenig länger und ich schlief sehr gut. Der Wecker war nicht so unbarmherzig wie an den Tagen zuvor und wir freuten uns auf den neuen Tag. Noch vor dem Frühstück, holte uns Augustin, um die wartenden Lamas zu besuchen. Wir folgten aufgeregt. In einem mit Steinmauern begrenzten Käfig warteten einige Tiere und blickten uns neugierig entgegen. Unser Guide schickte uns in hinein und lachte uns dann wegen unserer Zurückhaltung aus. Er fing sich eines der jungen Tiere, packte es am Ohr und forderte dann Larissa auf, es selbst zu halten, das war so unglaublich niedlich! Das weiße Lama-Fohlen (oder Kalb oder Kitz, ich weiß den korrekten Ausdruck leider nicht) leuchtete in der Sonne und Larissa hatte Mühe, es gegen seinen Willen zu halten. Ich war als letzte an der Reihe. Augustin packte ein wunderschönes kleines Lama, welches einen schwarzen Kopf und haselnussbraunen Körper hatte. Es fühlte sich unglaublich flauschig an, und als ich es am Ohr packte wurde es sogar ziemlich ruhig. Ich kuschelte ein wenig mit diesem süßen Tier und verliebte mich.

Lamas Lamas Lamas Ist es nicht knuffig? Zum verlieben!

Dann aber beschloss ich, es nicht weiter zu quälen und entließ es wieder in seine Herde. Aber ich habe ein echtes Lama-Baby im Arm gehalten! Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Dann entließen wir gemeinsam mit Augustin, einer älteren Frau und einem kleinen Jungen (Lazaro), die Lamas in die Freiheit. Und wir durften, wie Lama-Hirten, die Herde ein Stück vom Dorf weg treiben! Das war super cool. Die Tiere ließen sich super treiben, und sogar der kleine Lazaro, der höchstens um die 4 Jahre alt war, hatte sichtlich Spaß dabei. Unser Frühstück schmeckte noch ein wenig besser als sonst.
Es folgte der letzte Reisetag. Wir durchquerten ewige Weiten, voller verschiedenfarbiger Gesteine, Wiesen und Lagunen. Gegen Mittag erreichten wir die 'ciudad de encanto', welches jedoch keine Stadt war, sondern ein einzigartiges Naturwunder. Ein großer Sandsteinfels wurde durch Regenfälle und Wasser geformt und weist jetzt die spannendsten Formen auf. Wir entdeckten die verschiedensten Figuren.

ciudad del encanto ciudad del encanto

Wir erkundeten alle Ecken und umrundeten die Felsformation in der Mittagshitze. Es war echt spannend, auch wenn wir irgendwann die Mischung aus Höhenluft und Hitze nicht mehr aushielten. Wir waren froh, als wir den Jeep wieder erreichten und es dort erst einmal Mittagessen gab, ein letztes Mal. Wir stärkten uns bei Kartoffeln, Huhn und Cola für die letzte Etappe, die Rückkehr nach Uyuni. Es folgten noch viele Lamas, Vicuñas und Nandus, bevor wir nach langer Zeit mal wieder eine geteerte Straße erreichten. Doch auch hier stand einige Vicuñas auf der Straße, die einfach nicht weichen wollten! Augustin musste heftig bremsen, um dem letzten nicht in die Hinterbeine zu fahren... Dann waren wir zurück in der Zivilisation. Und der kleine Ort, in dem ich mich vor ein paar Tagen langweilte, wirkte plötzlich voller Leben und riesig. Wir packten unser Zeug um, schossen ein letztes Bild mit Geländewagen und Guide und brachen dann auf zum Busbahnhof. Dort fuhr schon bald ein Bus nach Potosí, unserem nächsten Ziel, und wir deckten uns mit Keksen ein, bevor wir abfuhren. Die Busfahrt war sehr unheimlich. Wir fuhren durch abgelegene, lichterlose Landschaften und mitten durch ein Gewitter. Obwohl, geregnet hat es eigentlich nicht... Dafür umso heller und unheimlicher geblitzt. Wir kamen heil an, fanden bald ein Hostel, und nach einem späten Abendessen ging es müde ins Bett.
Am nächsten Tag erkundeten wir nach einem gemütlichen Frühstück ein wenig die Stadt: Potosí. Es ist eine weite koloniale Stadt, welche mit Kirchen und schachbrettmusterartigen Straßen protzt. Ein paar Gassen waren sogar mit einer Art Kopfsteinpflaster bedeckt. Wir hatten außerdem einen besonderen Tag erwischt. In der Stadt fanden einige Paraden und Märsche statt, nicht sonderlich organisiert, aber trotzdem laut. Am zentralen Platz hing ein großes Plakat mit der Aufschrift "Mar para Bolivia". Ich weiß nicht, wie viel man in Deutschland davon mitbekommt, aber in Bolivien ist gerade super aktuell, dass das Land wieder Zugang zum Pazifik möchte. Als Bolivien nach der Abspaltung von Peru (erst nach dem Sieg gegenüber der Spanier, das Land ist also noch sehr jung und ausserdem nach dem Freiheitskämpfer Bolivar benannt) gegründet wurde, gehörte zum heutigen Andenstaat auch ein Teil der Pazifikküste. Es folgten Ende des 19. Jahrhunderts die Salpeterkriege, welche Bolivien und Peru gegen Chile verloren. Logische Konsequenz war der Abtritt der Küstengebiete Boliviens an Chile. Im Friedensvertrag wurde jedoch Bolivien zollfreie Nutzung eines Hafens sowie der verbindenden Eisenbahnstrecke gewährt, was bis heute gültig ist. Soweit ich weiß, hat der derzeitige Präsident Evo Morales (erstes indigenes Staatsoberhaupt Boliviens) diese Regelung wieder angefochten. Unter den Bolivianern ist die Ansicht verbreitet, dass das Leben so viel besser wäre, hätte Bolivien Zugang zum Meer. Wir waren also an dem Tag in Potosí, als sich der Tag der Niederlage gegen die Chilenen jährte und natürlich waren die Paraden hochpolitisch. Wir sahen einem militärischen Marsch zu, bevor es zum Mittagessen ging (mit Schokokuchen zum Nachtisch!). Danach besuchten wir ein örtliches Franziskanerkloster, wo wir eine Führung bekamen. Dabei erfuhren wir, dass heute noch genau 3 Brüder dort leben. :D Im Hügel von Potosí fanden die Spanier damals Silber, weswegen die Kirche besonders schön versilbert war. Zudem wurde die Jesusfigur eines Tages wohl vor der Tür gefunden, ohne zu wissen, wer sie angefertigt hat, und es gibt anscheinend sogar Experten, die de Meinung sind, diese Figur könne nicht von Menschenhand geschaffen sein. Nun gut, das öffnet natürlich Raum für Spekulationen. Das Highlight für uns war natürlich die Aussichtsplattform auf dem Dach, von welcher aus wir die Stadt und die Umgebung von oben begutachten konnten. Danach wussten wir nicht mehr so wirklich, was man noch anstellen konnte, und verbrachten den Nachmittag singend und schreibend im Hostel, bis es Lama-Burger zum Abendessen gab (nur für mich, die Vegetarier bekamen selbstverständlich was anderes). Dann war schon wieder Samstag, und nach dem Einkauf am Morgen riefen wir ein Sammeltaxi, welches uns direkt am Hostel abholte und bis nach Sucre, der formellen Hauptstadt Boliviens brachte (bis zur Hostel-Tür!). Schon bei der Ankunft waren wir begeistert. Sucre spielt in einer komplett anderen Liga als La Paz, Uyuni und sogar Potosí! Das ganze Zentrum stahlt Weiss und die Gebäude sind in schönster Architektur gebaut. Wir bewunderten das Straßenbild, während wir uns etwas zum Essen suchen (es wurde Thai, lecker!). Dann bezogen wir unser Zimmer und planten unsern nächsten Tag. Noch am selben Abend trafen wir uns auch dann ganz spontan mit Clara, welche wir alle drei in Chile kennengelernt haben und gerade ein FSJ in Sucre absolviert. Es war witzig, sie wiederzutreffen, und wir blieben lange sitzen.
Der Wecker am Sonntag klingelte unbarmherzig früh. Wir hatten ein Busticket und fuhren am Morgen zum Sonntagsmarkt in einem Dorf in der Sucres (spricht sich übrigens, wie man es ließt, nicht mit 'ü' wie ich zuerst annahm). Als wir dort ankamen, hatte es leider zugezogen. Nach einer kurzen Einweisung zogen wir los, auf der Suche nach einem späten Frühstück (es hatte im Hostel keines gegeben). Der Markt war riesig, jedoch vom Angebot her sehr ähnlich zu denen, die ich kenne. Ein Teil mit Obst und Gemüse, wo es auch kleine Essenstände gab, einen mit allen möglichen Haushaltswaren (von Putzlappen über Bleistifte bis zu bunter Wolle), und einen touristischen, wo Textilwaren angeboten wurden. Teilweise auch echt Ponchos aus Eigenproduktion, aber leider größtenteils doch die Produkte, die man überall in den Andenländern findet. Es wurde irgendwann beißend kalt in den dünnen Jacken, die wir in Erwartung eines Sonnentages dabei hatten, und so tranken wir noch einen Tee, bevor der Heimweg anstand. Es war Nachmittag, als wir zurück in unserem Hostel waren, und leider fing es auch an zu regnen. Also begnügten wir uns mit der Hostelküche, wo wir am selben Abend auch kochten. Ofenkartoffeln mit Salat! Dabei lernten wir drei Deutsche kennen, von denen eine witzigerweise von der gleichen Organisation wie Clara nach Bolivien geschickt wurde und diese auch kennt. Wir tauschten uns über Freiwilligenarbeitserfahrung aus, wobei ich großen Respekt vor allen habe, die ein ganzes Jahr in einem Projekt sind.
Und schon war Montag, der letzte gemeinsame Tag zu dritt, bevor sich unsere Wege trennen würden. Wir gingen entspannt frühstücken und erkundeten dann weitere Ecken Sucres, wie den Friedhof (welcher leider geschlossen hatte). Nach einem leckeren Restaurant, wo es sogar Spätzle gab, ginge es irgendwann schon zum Busbahnhof. Wir kauften unsere Tickets, Larissa und Franziska Richtung Norden, ich nach Süden. Wir stellten fest, dass noch Zeit übrig war, also lud ich meinen großen Rucksack ab (die anderen zwei würden nach Sucre zurückkehren und reisten mit Handgepäck) und wir besuchten einen Aussichtspunkt oberhalb der Stadt. Hier war früher mal eine Klosteranlage, welche jedoch verlassen ist und jetzt ein Schule unterbringt. Die Sicht war klasse! Ausserdem erwischten wir das Unterrichtsende und konnten die vielen uniformierten Schüler aus dem Gebäude stürmen beobachten. In der Ferne hingen dunkle Wolken. Als langsam über der Stadt die Nacht hereinbrach, machten wir uns auf, bergab ins Zentrum. Dort gab es Thai-to-go, und dann ab zurück zum Busbahnhof. Mein Bus fuhr als erstes, und so verabschiedeten wir uns am Terminal. Schade, dass die Woche so schnell vorbei war!

Dann suchte ich meinen Bus, in welchem ich 2 Plätze für mich hatte, aß mein Abendessen und versuchte, so viel Schlaf wie möglich zu bekommen. Es wurde arschkalt, und ich bedeckte mich notdürftig mit meinem Schal... Noch nie habe ich so in einem Bus gefroren! Ich war heilfroh, endlich anzukommen und meine dicken Socken aus dem Rucksack kramen zu können. Dann hielt ich mich ein wenig am Terminal auf, bevor ich ein Taxi zur Grenzstation nahm. Raus aus Bolivien, wo ich viel weniger Zeit als gedacht verbracht habe, und wieder nach Argentinien. Yeah! Ich schaffte es nach etwas warten natürlich rüber, und hatte dann keine Ahnung, wohin. Mit einer Französin entdeckten wir den Busbahnhof, wo ich sofort angefangen wurde. Ein Bus in meine Zielrichtung stand schon bereit, und noch einmal etwa 2 Stunden später war ich endlich angekommen, im kleinen Städtchen Humahuarca. Ich war sofort begeistert! Der Ortskern war wunderschön, mit weiss getünchten Häuschen, Kopfsteinpflastern und bunten Läden. Ich fand schnell ein gemütliches Hostel und auch etwas leckeres zum Essen, bevor ich herausfand, was es in dem touristischen Örtchen zu tun gab.

Gut, bis hierhin soweit. Seitdem ist schon wieder einiges passiert, aber Ihr habt erstmal Lesestoff und ich hab Hunger! wink

Ich wünsche allen ein schönes Osterfest und ein paar ruhige, sonnige Feiertage. Liebe Grüße an alle, ganz besonders natürlich meine Familie, denen ich gerne bei der Ostereiersuche helfen würde!

Aus der argetinischen Ferne,

Eure Carmen

17März
2018

Huch, schon wieder Neuigkeiten aus Peru?

Das ging ja schneller als gedacht. laughing
Ich habe gerade viel Zeit und zusätzlich Lust, meine Erlebnisse festzuhalten, was eine optimale Voraussetzung für einen gelungenen Artikel ist. Deswegen viel Spaß beim miterleben meiner letzten Reisetage!

Es war schon dunkel, als mein Reisebus in die bolivianische Millionenstadt einfuhr. Und dementsprechend war mein Eindruck: Lauter Lichter. Viele bunte Lichter, welche sich die umliegenden Hügelketten hinaufzogen und von allen Seiten zu leuchten schienen. Es war ein wenig wie Weihnachten… Mir war bewusst, dass die Hügel oberhalb einer großen Stadt in Südamerika meist durch die ärmeren Bevölkerungsschichten bewohnt wurden, doch bei Nacht wirkte alles wie ein einziges Lichtermeer, ohne Unterschiede. Der Bus hielt irgendwo in diesem Lichterchaos, vor dem Busterminal. Ich hatte aber keine Ahnung, in welche Richtung ich gehen sollte, also nahm ich mir kurzerhand ein Taxi. Der Taxifahrer, ein kleiner, älterer Herr mit offenbar europäischen Vorfahren, denn er hatte graue Haare, suchte mit mir zusammen das Hostel in den Straßen eines ruhigen Viertels, bis wie jemanden am Eingang meiner Unterkunft entdeckten. Es war 11 Uhr nachts Ortszeit, eine Stunde der peruanischen Zeit voraus, als ich nach der Einweisung durch den netten Hausvater in meinem Bett einschlief, völlig erschöpft vom Tag.

Am nächsten Morgen wachte ich pünktlich zum Frühstück auf, denn ich hatte gelesen, dass dies nur bis 9 Uhr serviert wurde und mein Körper inzwischen ziemlich klug im selbstaufwecken geworden ist. Dabei unterhielt ich mich mit zwei netten Franzosen, welche mir den Tipp gaben, für meinen Weg zu den Iguazu-Wasserfällen nicht durch Paraguay, sondern durch Argentinien zu reisen, da die Busverbindungen dort besser seien. Und inzwischen bin ich tatsächlich begeistert von dieser Idee! Wie auch immer, nach dem Frühstück schrieb ich an meinem Blog und erledigte ein wenig Planungskram, bis es Zeit fürs Mittagessen wurde. Danach brach ich auf, zur Erkundung der riesigen, verrückten Stadt. Denn das ist La Paz: Sehr bolivianisch. Um ins Zentrum zu gelangen, welches im Tal liegt, nahm ich eine der modernen Gondelbahnen, mit welchen ganz La Paz inzwischen vernetzt ist. Es funktioniert wie im Skiurlaub, nur ohne Ski, ist viel günstiger als ein Taxi und schneller als zu Laufen. Zu meiner Überraschung werden diese Gondeln durch die Einheimischen tatsächlich sehr genutzt, was nicht der Fall sein muss, bei so sturköpfigen Andinos. Unten angekommen war ich zunächst ein wenig überfordert: Wohin sollte ich gehen? Ich entschied mich für die Variante bergab, und passierte dabei unzählige kleine Snackstände und Unterkünfte. Die Straßen waren etwas grau und dreckig, alles wirkte gleich. Je weiter ich jedoch kam, desto heller und weiter wurde das Bild. Ich gelangte in eine Fußgängerzone, wo ich von Essensangeboten geradezu erschlagen wurde. Die Stadt faszinierte mich irgendwo. Ich lief ziellos Straßen entlang, und immer wieder wurde ich positiv überrascht. Große Kirchen, Plätze voll mit Tauben und breite Straßen kehrten immer wieder. Leider begann es irgendwann stark zu regnen, und ich setzte mich auf einen Tee in ein Café am Straßenrand. Denn das sollte man noch über Bolivien wissen: Es ist ein unglaublich günstiges Land. Die Währung, Bolivianos, ist etwa ein 8-tel des Euros wert und für 10 Bolivianos bekommt man ein großes und nahrhaftes Mittagessen. Kekse kosten oft sogar nur 1-2 Bolivianos (kurz: Bs)! Wie auch immer, ich war irgendwann ziemlich geschafft von der ausführlichen Stadttour. Einer Eingebung folgend buchte ich eine Tour für den übernächsten Tag und kehrte dann zu meinem Abendessen (Nudeln, juhu!) ins Hostel zurück.

Den nächsten Tag, ich glaube es war der 15.03., nutzte ich ebenfalls zur Akklimatisierung. Ich unterhielt mich viel mit anderen Hostel-Besuchern, lief ein wenig spazieren und erkundete ein paar neue Ecken. Es sollte mein Sonntag sein, den ich immer mal wieder zum Ausspannen während meiner Reise brauche. Denn am Donnerstag musste ich schon früh aufbrechen. Ich bekam ein Brötchen auf die Hand und brach dann in die Stadt auf, wo meine Tour starten sollte (mein Hostel lag so abgelegen, dass man mich dort nicht abholen wollte). Ich lief also eilig zwischen vielen gehetzten Jugendlichen in Schuluniform und Vätern, die ihre Töchter an der Hand zogen, durch die mit Bussen und Autos überfüllten Straßen. Berufsverkehr! Dass da keine schlimmeren Unfälle passieren, grenzt schon fast an Wunder, denn immer wieder rennen Menschen einfach kreuz und quer über die Straße. Wie auch immer, ich kam pünktlich um 8 Uhr morgens am vereinbarten Treffpunkt an. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, durfte ich erst einmal warten. Nach einiger Zeit kam eine Mitarbeiterin, schloss das Reisebüro hinter mir auf und bat mich hinein. Während sie offenbar wichtige Anrufe tätigte, fragte ich mich, warum ich mich so beeilt hatte. In Bolivien… Selbst schuld. Gegen kurz vor 9 schließlich wurde ich in den klapprigen roten Bus eingeladen, in welchem zwei andere Gäste saßen, und los ging die holprige Fahrt. Sobald wir die Stadtgrenzen hinter uns gelassen hatten, endete die geteerte Straße und wir holperten bergauf. Es wurde immer kälter und die Landschaft immer sauberer (je näher an der Zivilisation desto mehr Müll), auch wenn man durch den Nebel, der sich nur selten verzog, manche Aussichten nur erahnen konnten. Plötzlich schneite es um uns herum! Wir waren so hoch, dass aus Nieselregen Schnee geworden war und die Landschaft um uns herum weiß leuchtete. Wow, ich war begeistert. Als unser Bus nicht weiterkam, entschlossen wir und kurzerhand, das letzte Stück bis zur Berghütte zu Laufen, gemeinsam mit den anderen zwei Tourteilnehmern, die übrigens auch Deutsche waren. Es machte mir so Spaß, im Schnee zu sein, dass ich die Kälte einfach nicht spürte. Als wir besagte Berghütte erreicht hatten, waren wir auf ganzen 5.300 Metern Höhe. 5.300 Meter über dem Meeresspiegel! Das ist 3,5 Mal so hoch wie der Feldberg, mehr als die Hälfte vom Mount Everest und über 23 Mal so hoch wie Steinenstadt liegt! Leider konnte man von der Höhe durch den dichten Nebel nicht sonderlich viel sehen. Ich erfuhr, dass bis vor rund 15 Jahren dort oben ein beliebtes und vielbesuchtes Skigebiet angesiedelt war, war auch die Berghütte erklärte. Dann jedoch begann der Gletscher, auf welchem Ski gefahren wurde, aufgrund der Klimaerwärmung zu schmelzen, und inzwischen ist nur noch eine Erinnerung an die alten Zeiten des Hüttenbewohners übrig. Wir genossen Wurstbrote und stapften ein wenig höher noch durch den tiefen Schnee, doch die Atemluft ist sehr dünn dort oben. Und so kehrten wir zufrieden einige Zeit später zum roten Bus zurück, in dem es zum Glück schön warm war (mit der Zeit war es doch kalt geworden in der Jeans, die ich trug). Wir kehrten zurück in die Stadt, wo meine Begleiter abgeladen wurden, und ich blieb allein übrig für den zweiten Teil der Tour: Das „valle de la luna“, das Tal des Mondes. Der Guide brachte mich dorthin, wofür wir jedoch die ganze Stadt durchqueren mussten. Er erklärte mir, dass Neil Armstrong höchstpersönlich für einen Besuch des berühmten Salzsees nach Bolivien kam und dann beim Golfen südlich von La Paz dieses Tal kennenlernte. Die Augen meines Guides leuchteten, als er erklärte, dass Armstrong die Landschaft an den Mond erinnerte und deswegen ihm zu Ehren das Tal umgetauft wurde. Wenn also sogar Neil Armstrong das sagt, dann habe ich an diesem Tag quasi einen Abstecher auf den Mond gemacht! Ich wurde allein auf den Rundgang geschickt, der echt sehenswert war.

(Foto)

Mit Worten lässt sich die Umgebung kaum beschreiben, deswegen habe ich hier ein Bild eingefügt. Ich genoss mit Blick auf die absurden Felsformationen mein Mittagessen (Nudeln natürlich!) und war ein wenig enttäuscht, dass bis ganz nah an das abgesperrte Gebiet Häuser gebaut waren. Außerdem stellte ich mir vor, wie hier früher Kinder herumtollten und was für ein genialer Spielplatz das gewesen sein muss, bevor der Zaun gebaut wurde, der nicht zahlende Besucher jetzt fernhält. Ich war zufrieden mit meinem Tagesprogramm, als ich durch den dichten nachmittäglichen Stadtverkehr zurückgebracht wurde. Meine letzte Hürde des Tages: Ein Busticket für die Weiterfahrt zu sichern. Doch dieser Punkt erwies sich als viel unkomplizierter als gedacht. Wo ich dachte, dass die Peruaner schon spontan seien, kam ich an den Busbahnhof, um ein Ticket für den selben Abend zu kaufen. Rund 4 Stunden vor der geplanten Abfahrt waren genau 3 Personen in den Sitzplan eingetragen! Keine Ahnung, warum ich mir Sorgen gemacht hatte. Ich hatte also noch Zeit für ein gemütliches Abendessen und konnte mich mit Proviant eindecken, bis ich ans Terminal zurückkehrte. Es wirkte alles noch ein wenig planloser und chaotischer, als ich es kannte, und doch schien ein Plan dahinter zu stecken. Beinahe pünktlich hatte ich meine Tasche abgegeben und wurde vom Inneren des Busses positiv überrascht: In der oberen Etage gab es nur drei Reihen! Das bedeutete unglaublich viel Platz und super bequeme Sitze. Der Preis machte sich definitiv bezahlt. Ich machte es mir mit Keksen und Hörbüchern gemütlich, und schlief gut bis zur Ankunft am nächsten Morgen: Uyuni.

Uyuni ist eine Kleinstadt im Südwesten Boliviens, welche eigentlich aus genau einem Grund besucht wird: Wegen der Salzwüste, dem Salar de Uyuni. Deswegen gibt es eine Fußgängerzone, unglaublich viele Pizzerien und Reisebüros. Ansonsten sind die breiten Straßen und kleinen Häuserreihen eher unattraktiv und erinnern an den Wilden Westen. Nach meinem Frühstück und einer kurzen Erkundungstour kehrte ich für ein Telefonat nach Hause (was nicht so ganz reibungslos klappte) zurück ins Hostel. Dann packte ich mein Zeug und machte mich auf zur – laut Reiseführer – einzigen Attraktion der Stadt: Dem Eisenbahnfriedhof. Als ich losging, hörte ich hinter mir die Hostelbetreiber davon reden, dass es bald regnen würde, und die graue Wolke, die auf die Stadt zuzukommen schien, konnte ich auch nicht übersehen. Trotzdem ging ich los, denn ich wollte nicht im Hostel oder irgendeinem Restaurant versauern. Ich folgte der schnurgeraden Straße aus dem Ort hinaus, wo sich langsam die Häuserreihen lichteten und die Hütten kleiner und ärmer wurden. Immer mehr merkte ich, dass ich mich in der Wüste befand. Hinter mir grollte der Donner, doch ich ließ mich nicht beirren und entdeckte schon nach kurzem Fußmarsch links mein Ziel: Rostige alte Eisenbahnteile. Ich war sofort begeistert. Das war ja wirklich wie im Wilden Westen! Gespannt lief ich näher und betrachtete alles genau. Es gab alte Containerwaggons, Personenwagen, Waggons für Flüssigkeiten, einfach alles gab es dort. Auch seltsame Eisengestelle, dessen Ursprung ich mir nicht erklären wollte. Das alles war links und rechts von stillgelegten Schienen zu finden, und ich kletterte auf ein paar Waggons und schaute in andere hinein, aus purer Neugierde. Immer weiter folgte ich den Schienen, bis zu dem Teil, der vermutlich am Meisten besichtigt wird: Die alten, rostigen Lokomotiven. Hier hatten ein paar Jeeps gehalten, die vermutlich gerade auf den Weg in die Salzwüsten waren, und nach kurzem Nachlesen stellte ich fest, dass dieser Punkt auch in meinem Tourprogramm vorgesehen war (nähere Erklärungen folgen). Da es anfing zu regnen, entschied ich mich dafür, umzukehren und lieber die abgelegenen Teile genauer zu begutachten, damit ich nicht alles doppelt und dreifach fotografieren würde. Ich aß eine Banane in einem Personenwaggon und hatte Glück, dass das Gewitter an mir vorbeizog und ich nur ein paar wenige Tropfen abbekam. Dann kehrte ich langsam querfeldein zurück (querfeldein ist hier eigentlich übertrieben, denn es sah fast alles gleich aus, Steine mit ein paar Grasbüscheln, sodass mein Weg auch eine Straße hätte sein können). Eine Weile folgte ich noch den stillgelegten Schienen und fühlte mich ein wenig wie in einem Jugendkrimifilm. Die Faszination für den alten Schrott hatte mich jedenfalls gepackt und zu gern wäre ich noch jünger und mit meinen Freunden darauf herumgetollt.

Apropos meine Freunde: Ich habe deswegen den Tag etwas planlos verbracht, da ich auf zwei Freundinnen warte, die heute Abend hier ankommen werden! Gemeinsam mit Larissa und Franziska, die ich während meines Chile-Austausches kennengelernt habe und die gerade ebenfalls auf Südamerika-Tour sind, werde ich die Salzwüsten-Tour machen. Danach wollen wir ebenfalls noch ein Stück gemeinsam reisen, allerdings wird sich das alles erst zeigen. Ich freue mich riesig darauf, die beiden wieder zu sehen und zu dritt ein Stück zu reisen!

Mit meinem letzten Blogeintrag wollte ich euch nicht abschrecken. Es wurde mir nur plötzlich alles zu viel. Heute allerdings hatte ich wieder richtig Spaß am Schreiben. Und ich möchte meinen Blog auch nicht aufgeben, dafür hänge ich viel zu sehr daran. Mit meiner Erklärung wollte ich vor allem mir selbst klar machen, dass niemand mich zwingt, regelmäßig „abzuliefern“…

Viele liebe Grüße aus Bolivien, und haltet die kalten Tage in Deutschland gut durch! Hier ist es auch sehr kalt, deswegen fühle ich mit euch. 😉

Eure Carmen.

15März
2018

Rückkehr nach Lima. Guten Flug, Lisa!

Da bin ich wieder! Inzwischen in Bolivien angekommen, wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und Genießen.

Als mein letzter Artikel fertiggestellt war, folgte eine Busfahrt über Nacht. Ab in den Urwald! Wir stiegen mit Jogginghose ein und wurden beim aussteigen durch eine Hitze und Feuchtigkeit empfangen, in welcher wir lieber einen Bikini getragen hätten. Vom Terminal brachte uns ein Mototaxi, wo es mit Gepäck sehr eng wurde, zu unserer Lodge. Diese lag am Stadtrand und war ein liebevoll angelegter Garten mit Holzhütten, welche wie eine Lodge mitten im Urwald wirkten, jedoch durch Mauern abgegrenzt waren. Hier liefen 5 Hunde, 1 Katze und auch 3 Äffchen frei herum! :D

Äffchen Lisa mit Äffchen Die Äffchen, und Lisa mit Äffchen.

Auch wenn einer der Affen sie zunächst biss, freundete sich Lisa natürlich mit den knuffigen Tieren an. Wir aßen erst einmal unser mitgebrachtes Frühstück, Obstsalat, und erkundeten dann ein wenig die Regenwaldstadt Puerto Maldonado. Auf dem örtlichen Markt gab es Mittagessen, und dann wollten wir vom Aussichtsturm aus die Umgebung bestaunen, dieser war jedoch leider verschlossen. Während wir durch die Stadt liefen, begann plötzlich ein warmer Platzregen. Die vielen als Taxi agierenden Motorräder kamen zum stehen und schützten sich unter Tankstellendächern. Für ein paar Minuten kam das Leben zum erliegen. Dann schloss der Himmel wieder seine Schleusen, die Hunde schüttelten sich trocken und es ging weiter. Wir nahmen ein Taxi zurück zum Hotel, um ein wenig auszuruhen nach zu wenig Schlaf in der vergangenen Nacht. Sobald wir auf unseren Betten in unserem 2-Bett-Zimmer lagen, schlief ich ein.
Ich glaube, Lisa war irgendwann auf die Hängematte vor der Tür umgezogen, denn als ich aufwachte, stand sie gerade wieder im Zimmer mit einer Flasche Wasser in der Hand. Sie hatte vollkommen Recht, das Bett war definitiv zu warm! Nach einer Weile ausspannen setzten wir uns ein wenig in den Aufenthaltsraum, welcher in der größten der Holzhütten lag. Hier war auch die Küche und die Wohnung des Besitzerehepaares untergebracht. Ein entscheidendes Detail wisst ihr nämlich noch gar nicht: Die Lodge wird von zwei Einwanderern geführt, einem Schweizer und seiner thailändischen Ehefrau. Eine super witzige Konstellation! Der Schweizer hat sich viel und gerne mit uns unterhalten, und wir haben viel über die nachtaktiven Tiere rund um die Lodge und Gewohnheiten der Einwohner Puerto Maldonados gelernt. Gleich am ersten Tag buchten wir noch unsere Tour, um am nächsten Morgen starten zu können, sahen uns noch einen Film auf dem Handy an und aßen Reis zum Abendessen. Leider wurde ganz in der Nähe eine große Party gefeiert, und so mussten wir uns noch mit Gute-Nacht-Geschichten in den Schlaf erzählen. :D
Unsere erste Tour ging gut los. Mit Pancakes und Ei! Wir wurden pünktlich abgeholt und zu dem Organisator gebracht, wo letzte Details geklärt wurden. Und dann ging es los. Also gleich. In 2 Minuten. Jetzt aber wirklich! Ach nein, jetzt regnet es... So ging das gefühlt ewig, unser Anbieter sprach immer wieder davon, jetzt loszugehen, aber wir blieben doch stehen. Als unsere kleine Truppe endlich zum Hafen aufbrach, war ich ein wenig genervt. Die Bootstour über den Fluss ließ mich jedoch schnell den Ärger vergessen, und ich bewunderte das grüne, bewachsene Ufer an beiden Seiten vorbeifliegen. Wir brauchten nicht lange, bis wir an einer kleinen Holztreppe anlegten. Hier begann die etwa einstündige Wanderung durch den braunen Matsch, der wohl ein Weg sein sollte. Die Gummistiefel hüteten uns zwar glücklicherweise vor nassen Füßen, nicht jedoch vor angriffslustigen Moskitos. Lisa traf es mit schwarzem Rucksack und schwarz-weißer Hose besonders schlimm, wo die Mückenviecher doch auf schwarz abfahren. Die ständige summende Begleitung war der anstrengendste Faktor des Fußmarsches. Doch dann, als wir schon dachten, wir würden nie ankommen, tauchte der See vor uns auf, der Lago Sandoval. Auf einem kleinen, wackligen Kanu schipperte uns der Guide über den See, wo wir gleich eine Schildkröte erspähten und neben uns ein Kaiman im Dickicht hockte. Unsere Gruppe bestand jedoch aus ungeduldigen Peruanern. Nach 5 Minuten Fotosession auf dem Boot (für welche man auch gegen die Warnungen des Guides aufstehen musste und beinah ins Wasser viel), beschwerten sich die ersten, dass man nichts sah. Der Höhepunkt der Ignoranz wurde erreicht, als eine Frau, eine erwachsene Frau, auf ihrem Handy Musik anmachte. Hallo, wo sind wir hier denn?! Unser Guide, Lisa und ich waren fassungslos. Es gibt Menschen, die gibts gar nicht...
Zum Mittagessen legten wir an einem Steg an, wo uns Schmetterlinge empfingen. Oberhalb des Sees lagen ein paar Hütten, wo unser Mittagessen serviert wurde (Reis im Bananenblatt mit Huhn), davor hingen Hängematten, wo wir unsere Mittagspause verbrachten. Es gab leckeren Cupuacu-Saft, welchen ich leider nicht übersetzen kann, weil Cupuacu einfach Cupuacu heißt. Die Frucht sieht jedenfalls aus wie eine längliche, weiche Kokosnuss.
Nach der Mittagspause ging unsere Erkundungstour weiter und wir erspähten noch einige Vögel und Insekten. Als Höhepunkt zog schließlich eine Affenfamilie über unsere Köpfe hinweg, welche äußerst unbeeindruckt von unserer Anwesenheit waren und deswegen sogar ziemlich nah kamen. Nach einer weiteren Schlammschlacht waren wir zurück auf dem sicheren Boot in Richtung Stadt. Über dem Fluss ging die Sonne unter, und wir genossen den Blick und das Rauschen des Boardmotors. Es war schon beinahe dunkel, als wir zurück in unsere Zimmer schlichen, um uns etwas zu essen zu machen, und sobald die Sonne verschwunden war, konnte man die Hand vor Augen nicht mehr sehen. Der Gang zum Klohäuschen war ein Abenteurer, zum Glück haben Handys eine Taschenlampenfunktion!
Am dritten Tag starteten wir eine zweite Tour in den Wald. Wieder wurden wir abgeholt, unsere Personalien aufgenommen und dann auf ein Boot flussabwärts verfrachtet. Diesmal ging es noch weiter als am Vortag, bis zu einer Dschungellodge. Hier stellten wir fest, dass all unsere Mitfahrer sich hier einquartiert hatten und nur Lisa und ich für das Tagesprogramm eingeplant waren. Na super, also ging es los mit unserem persönlichen Guide zu unserer persönlichen Tour. Ein seltsames Gefühl, vor allem auch, da er den Anschein erweckte, als seien wir nur eine Gruppe von vielen und nun einmal sein Job, also keinerlei Interesse oder Freude zeigte, mit uns unterwegs zu sein. Wir stapften wieder einmal durch den Wald, wobei Lisa auf halber Strecke in einer überdimensionalen Pfütze feststellte, dass ihr rechter Gummistiefel undicht war. Auch das noch! Unser Guide zeigte jedoch kein Erbarmen, und so schmatzte es ein wenig bei jedem ihrer Schritte. Wir gelangten zu einer Leiter in die Baumwipfel, von wo aus viele Seile in verschiedene Richtungen gespannt waren. Der Guide hängte sich wie im Kletterpark an eines, setzte sich in seinen Gurt und rauschte davon. Zip-Line, yeah! Zum Glück war uns noch ein Helfer gefolgt, der uns auf spanisch einweiste (was ich erstmal übersetzen musste), und Lisa dann auf die Reise schickte. Es rauschte, und dann war sie auch schon zwischen hohen Bäumen verschwunden. Ich war an der Reihe, wurde festgeschnallt, setzte mich in den Gurt, er gab mir einen Schubs und... Nein, mein Hut! In der Aufregung hatte ich seine Existenz vollkommen vergessen und ihn dementsprechend weder festgeschnallt noch ausgezogen. Das wurde zu seinem Verhängnis, denn auf der ersten Fahrt direkt verschwand er in den tiefen des Waldes auf Nimmer-Wiedersehen. Verdammt. Die Fahrt war super schnell und cool, bis ich der Ankunftsplattform näher kam und mich das Bremsen völlig überforderte. Ich zog an irgendeinem Seil, als ich auch schon ankam. Glücklicherweise wartete unser Guide und konnte einen Aufprall mit dem dicken Baumstamm verhindern... Es folgte eine gespannte Strickleiter, über welche wir - natürlich gesichert - langsam hinüber wackelten, unter uns viel Grün, man konnte den Boden nicht sehen. An der nächsten Plattform wurden wir wieder festgeschnallt, und ab ging die zweite Fahrt durch den Urwald. Ich glitt das Seil entlang und es fühlte sich ein wenig an, als würde ich fliegen. Am Ende wartete schon unser Helfer, und wir waren zurück auf der ersten Station. Der letzte Part war ein Netz, durch welches wir auf einen riesigen Baum hinauf stiefeln konnten. Der Blick war super cool! Wir kehrten auf dem Netz wieder zurück, kletterten die Leiter hinab und folgten dem Schlammweg zurück zur Lodge. Hier luden wir alles, was nass werden konnte, ab, und das nächste Highlight stand an: Kayak fahren auf dem großen Fluss! :D Ein großes Boot lud, Lisa, den Guide, das Kayak, die Paddel, die Kamera und mich ein und fuhr uns ein Stück flussaufwärts, welches wir dann wieder zurück paddeln durften. Zuerst war es eine etwas wackelige Angelegenheit, aber als wir uns sicher vom Boot ins Kayak gesetzt hatten, starteten wir voller Elan. Immer am Ufer entlang, um niemandem in die Quere zu kommen oder vom Strom mitgerissen zu werden, kurvten wir um Äste herum und versuchten, geradeaus zu fahren (leichter gesagt als getan!). Natürlich wurden wir auch nass, aber in der Hitze der Mittagssonne tat das ziemlich gut. Lisa machte sich hervorragend als Steuerfrau, während ich mich als Antrieb versuchte. Unser Gleichgewicht ließ uns nicht im Stich, und wir kamen einigermaßen trockenen Fußes, zumindest nicht komplett gebadet, zurück zur Lodge.
Dort jedoch hieß es warten. Unser Programm war wohl schneller als geplant fertig, und so saßen wir gefühlte Ewigkeiten im Aufenthaltsraum, wo es immer verführerischer nach Essen roch, und schlugen die Zeit mit Tischkicker und einer Art Billiard (mit Trickschlägen, die die Welt noch nicht gesehen hat) die Zeit tot. Nach dem Essen, welches das gleiche wie am Vortag, diesmal aber mit Vorspeise und Dessert war, blieb immer noch Zeit, und wir ergatterten zwei Hängematten im Schatten für ein Mittagsschläfchen. Um Euch das besser vorstellen zu können: Es waren Stoffhängematten, also ohne Löcher, die im Schatten hingen. Aufgrund der Hitze und Luftfeuchtigkeit mussten wir nur darin liegen, um zu schwitzen! Es war unerträglich heiß und eigentlich war ich ganz froh, als das Programm weiter ging. Unsere letzte Station war die sogenannte Isla de Monos, die Affeninsel. Also ja, es ist einfach eine Insel im Fluss, auf welcher einige Affenkolonien leben, wie der Name eben sagt. Allerdings habe ich mir vorgestellt, dass vor Jahrhundertern oder mehr, die Insel noch zum Festland gehört hatte und eben einige Affen dort geblieben waren. Die Wahrheit ist leider viel trauriger: Als die ersten Lodges feststellten, dass sie ihren Besuchern kein gesichertes Tier-Erlebnis bieten können, wurden kurzerhand ein paar verschiedene Gruppen auf die Insel umgesiedelt. Jetzt finden die Tiere dort nicht alles, was sie an Essen bräuchten, und sind deswegen auf die menschliche Fütterung angewiesen... Als ich das erfahren hatte, wollte ich schon keine Affen mehr treffen. Die Tiere ließen sich aber auch tatsächlich nicht blicken. Hin und wieder hörte man ein entferntes Kreischen der Brüllaffen, doch sonst blieb es ruhig. Resigniert kehrte die Gruppe zurück auf das wartende Boot, wobei ich es nicht so schade fand, dass die Tiere sich der Show verweigert hatten.
Kaum zurück bei der Lodge wurden wir umgelagert und verabschiedet, denn es ging zurück in die Zivilisation. Wir verabschiedeten uns vom Regenwald und kehrten ein letztes Mal in die Lodge zurück. Hier aßen wir unser Abendessen, unterhielten uns noch ein wenig, zogen uns für die Busfahrt um und brachen dann auf. Es wurde Zeit für den Rückweg.
Die Nachtfahrt lief ziemlich ruhig. Wir hatten klugerweise zwei Plätze ziemlich weit hinten gebucht und um uns herum waren einige Plätze frei. So konnte ich umziehen und wir hatten beide Platz zum schlafen. Wir kamen ziemlich entspannt am 07. März in Cuzco an. An meinem 19. Geburtstag! Nachdem wir uns für einen Tag in ein Hostel eingebucht hatten, ging es zum Geburtstagsfrühstück, bei leckeren Empanadas und Schokocroissants. Wir verbrachten den Tag mehr oder weniger mit Essen, da Cuzco nur ein Zwischenstopp war und schon am selben Abend die Fahrt weitergehen sollte. Mittags gab es leckere Pizza, allerdings wurde das Trinken vergessen, und wir probierten uns noch einmal im Schokomuseum durch. Am Nachmittag entspannten wir ein wenig im Hostel, und nach einem Geburtstagstelefonat mit meinen Eltern brachen wir auch schon langsam wieder zum Busbahnhof auf. Um uns die 20-Stunden-Bus-Tortur nach Lima zu ersparen, hatten wir uns auf einen Stopp in Ayacucho geeinigt, was gut auf der Hälfte der Strecke lag. Die Fahrt verlief leider nicht so entspannt wie gedacht. Es gab zwar keinen Zwischenfall, doch wir kamen beinah 3 Stunden später als geplant an. Am Ende sank unsere Laune in den Keller und auch die Rocky-Filme auf Spanisch, welche gezeigt wurden, halfen nicht, die Stimmung hoch zu halten. Endlich in Ayacucho angekommen, stand uns noch ein Problem bevor: Die Hostelsuche. Online waren nur teure Optionen vorgeschlagen worden, und so brachen wir auf, mit einer Liste der Touristinformation in der Hand, um eine Unterkunft zu finden. Vermutlich hatten wir dabei zu hohe Ansprüche, denn wie Maria und Joseph in der Weihnachtsgeschichte wurden wir nach der Frage nach einer Küche immer wieder weggeschickt. Schließlich nahmen wir dann einfach das, was noch übrig blieb, wo es nicht einmal Wlan gab. Dort verputzten wir Avokadobrötchen und erkundeten dann die wenig touristische, koloniale Stadt. Es gab ein paar Fußgängerzonen und gut aussehende Restaurants, koloniale Hinterhöfe und bunte Märkte. Außerdem buchten wir gleich noch eine Tour für den kommenden Vormittag und unsere Weiterfahrt, denn das Hostel lud nicht zum bleiben ein. Zum Abendessen gab es chinesisch-peruanische Küche, wobei die Kellnerin mich leider missverstand und Lisa Huhn servierte...

Ayacucho Saft trinken in Ayacucho. innocent

Die Tour am nächsten Morgen führte uns aus der Stadt hinaus. Im Norden Ayacuchos liegt die Ruinenstätte Wari, die Hauptstadt des gleichnamigen präinkaischen Volkes. Von der riesigen Stadt, welcher große archäologische und historische Bedeutung beigemessen wird, ist bisher nur ein Teil von etwa 20% ausgegraben. Diesen besichtigten wir mit unserem spanisch-sprachigen Führer, der leider kein Verständnis für Lisas Sprachprobleme (= sie verstand kein Wort) hatte. So tat ich mein Bestes, alles so gut es ging zu übersetzen. Trotzdem lernten wir super viel über die peruanische Geschichte. Beispielsweise, dass bei den Wari Männer und Frauen gleichgestellt wurden. Der zweite Stopp unserer Tour war in Quinua, wobei man den Namen nicht mit dem Getreide Quinoa verwechseln sollte.

Es tut mir Leid. An dieser Stelle kann ich mich nicht mehr motivieren, möchte aber unbedingt den Artikel hochladen. Deswegen eine kurze Zusammenfassung:

In Ayacucho besuchten wir noch ein Schlachtfeld, wo der letzte Kampf der Spanier gegen die Peruaner beziehungsweise die südamerikanische Bevölkerung ausgetragen wurde. Nach diesem Kampf im Jahr 1821 wurde Peru unabhängig. Noch am selben Abend stiegen wir wieder in den Bus, um nach Lima zurückzukehren. Wieder hatten wir viel Platz und kamen zufrieden in unserem Hostel an. Wir durften Frühstücken, kochten und leckeres Mittagessen und spazierten ein wenig durch Miraflores. Am Abend besuchten wir eine Springbrunnenshow in einem großen Park. Das war wunderschön!

Wassershow Wassershow

Eindrücke der LIchter-Wassershow.

An Lisas letztem kompletten Tag gingen wir an der Küste surfen. Lisa stellte sich super an! Ich erzählte unserem Lehrer einfach nicht, dass ich das schon einmal gemacht hatte. wink Leider schnitt ich mir den Fuß auf und wir konnten nicht mehr schwimmen gehen. Daher streiften wir durch ein paar Souvenirläden und gingen Eis essen. Am letzten gemeinsamen Morgen organisierte ich meine Weiterreise und Lisa packte ihre Sachen. Wir aßen unsere selbstgemachten Süßkartoffelpommes und Mango-Guacamole, genossen ein wenig die Sonne und brachen dann auf zum Flughafen. Die 4 Wochen waren einfach so schnell vergangen und wir haben so viel gemeinsam gesehen und erlebt. Natürlich brachte ich Lisa zum Flughafen, wartete mit ihr am Check-In und verabschiedete sie dann in die Sicherheitskontrollen. Es war eine coole gemeinsame Zeit gewesen, und ich hoffe nicht unser letzter gemeinsamer Urlaub. (Ich weiß, dass sie gut wieder zuhause angekommen ist. Liebe Grüße an Dich! smile )

Am nächsten Morgen brach ich auch auf, mein Flug in Richtung Bolivien erwartete mich. Es war seltsam, wieder allein durch die Gänge zu Streifen, ein Frühstück zu suchen und im Bus zu sitzen. Doch 19 Stunden später lag ich zufrieden in meinem Bett in La Paz und war verdammt froh, nicht die 30-stündige Fahrt mit dem Bus von Lima aus angetreten zu sein. Tja, und da sitze ich nun, in La Paz, und lasse mich von dieser wirren Stadt berauschen. Ich bin nur wenige Tage allein, denn schon Übermorgen werde ich zwei Freundinnen treffen, die ebenfalls auf Reisen sind und mir entgegenkommen. In der Zeit habe ich die Stadt ein wenig erkundet und das leckere bolivianische Essen probiert.

Meine lieben treuen Leserinnen und Leser, ich entschuldige mich für die etwas verkürzte Version der letzten Tage. Ich versuche seit inzwischen einem halben Jahr jede Woche Euch an meiner Reise teilhaben zu lassen, und ich merke, wie ich mich langsam immer mehr unter Druck setze, abzuliefern. Ich möchte wieder Spaß am Schreiben haben, wie es anfangs war. Dann macht es Euch auch viel mehr Spaß zu lesen! Deswegen habe ich das jetzt einmal abgebrochen. Ich schaue mal, wann ich wieder die Lust am Schreiben verspüre. smile

Vielen Dank für euer Verständnis!

Ganz liebe Grüße,

Eure Carmen

03März
2018

Eine unfassbar aufregende Woche!

Sodele. Ich sitze wieder einmal vor dem Laptop, um euch an unseren Erlebnissen teilhaben zu lassen, schaue die vielen Belege, die sich angesammelt haben, durch, und lasse mich von der Mittagssonne in Cuzco wärmen. Die letzten Tage waren absolut vollgepackt und ich bin echt froh, immer wieder diesen Blog zu schreiben, sonst würde ich all die schönen Momente in einem Jahr vollkommen vergessen haben.

Als es Lisa am Sonntag wieder besser ging, besuchten wir die Saftfrau noch einmal, um uns bei ihr zu bedanken. Wir lernten ein wenig gemeinsam die Stadt kennen und konnten sogar das Ende einer Militärparade beobachten, wobei einige Soldaten in Uniform über den Hauptplatz marschierten. Rund um den Markt trafen wir auf viele Obstmärkte und landeten mitten im sonntäglichen Straßentreiben. Zum Mittagessen gönnten wir uns eine leckere Pizza (die etwas zu früh für Lisas Magen kam) und natürlich zeigte ich ihr das Schokomuseum, wo wir uns eifrig durch die Proben kosteten. Am Abend wollten wir uns zur Feier des Tages (es gibt immer einen Grund zu feiern 😉) Pfannkuchen (für die Berliner: Eierkuchen) machen. Allerdings gab es Eier nur in rauen Mengen – eine Schachtel mit 20 Eiern hätte lange gehalten -, sodass wir auf Bananen zurückgriffen. Und die Zubereitung am Gasherd stellte sich als ungewohnt schwierig heraus. Die ersten Versuche zeigten uns also, dass wir eben eine neue Spezialität entdeckt hatten: Bananen-Küchle nach Cuzco-Art. Mit dem selbstgemachten Apfelmus schmeckten diese ausgesprochen lecker!

Für den Montag hatten wir uns viel vorgenommen, doch das überteuerte und unpraktische „Boleto Turistico“ (Touristenticket) machte uns einen Strich durch die Rechnung (wir wollten nur eine Ruine besuchen und hätten dafür den vollen Preis zahlen sollen, die haben sie doch nicht alle). Also besuchten wir das Museo Inca in Cusco, welches super ausführlich und sehr anschaulich gestaltet war (und nicht im Boleto Turistico inbegriffen ist). Die vielen Exponate aus dem ganzen Land und die Landkarten, welche die Ausdehnung des Inka-Reiches deutlich machten, bereiteten uns gut auf die kommenden Tage vor. Am Nachmittag wollten wir uns einer Stadttour anschließen, hatten jedoch noch ein wenig Zeit und suchten uns deswegen eine Eisdiele. Und ich sage euch ganz ehrlich: Dies entpuppte sich als die beste Idee des Jahrhunderts! Denn wir fanden eine Eisdiele, die hausgemachtes Eis verkauft, allerdings nicht wie man es kennt, nach Sorten. Stattdessen kann man sich zwei Geschmacksrichtungen, eine Basis und eine Frucht (beispielsweise Schokolade und Mango), aussuchen, und diese mit verschiedensten Beilagen (Streusel, Soßen, Früchte und und und) bestellen. Ich sage euch, war das gut! Außerdem ärgerte ich mich, erst jetzt diesen Laden gefunden zu haben, wo ich doch schon so oft hier war und jetzt nur noch ein paar Tage Zeit hatte. Nun gut, die Stadttour war auch super. Der peruanische Guide führte uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum und erzählte von den zwei verheerenden Erdbeben in den vergangenen 500 Jahren, wobei jeweils nur die kolonialen Neubauten, nicht jedoch die schier unzerstörbaren Inkamauern zusammenstürzten. Außerdem führte er uns durch ein niedliches Viertel (an einem Burger-Laden vorbei, merkt euch das) den Berg hinauf, bis zu einem Aussichtspunkt über die Stadt. Unter uns breitete sich die touristische Hauptstadt Perus aus, der historische Stadtkern und die wachsende Vorstadt. Es war ein toller Blick, der sich uns bot. Zurück am Hauptplatz verabschiedete sich der Guide, und wir zogen los, zum Burger essen (richtig getippt, wir gingen in den zuvor erwähnten Burger-Laden). Lisa probierte einen mit Quinoa, mein Bratling wurde aus Kichererbsen zubereitet. Super lecker, sage ich euch! Ein kulinarischer Festtag.

Am nächsten Tag endlich machten wir uns auf dem Weg zu ein paar Ruinenanlagen rund um die „archäologische Hauptstadt Südamerikas“. Dafür suchten wir uns einen Bus, um dem Aufstieg zu entgehen. Doch der Stadtplan hatte offensichtlich keine Ahnung, und wir irrten eine Weile durch von Autowerkstätten gesäumte Nebenstraßen. Ein paar Auskünfte und eine Käse-Empanada später fanden wir endlich doch den richtigen Bus, welcher uns nach Tambomachay brachte. Diese Anlage liegt versteckt in einem Tal und wird als „Bad des Inka“ bezeichnet, da hier einige Bachläufe Becken füllen, in denen sich der Inka gebadet haben könnte. Es kann aber auch sein, dass hier das Wasser angebetet wurde, man weiß es nicht so genau. WIr genossen den Blick und lauschten eine Weile dem Rauschen des Wassers, welches immer noch fließt. Ein paar hundert Meter die Straße hinunter trafen wir auf die nächste Anlage, Puka Pukara, welche als Kontrollpunkt oder Informationsaustausch eine wichtige Rolle gespielt haben könnte. Es war eine Art pyramidenartige Festung, welche vor dem Eingang in das Tal von Tambomachay lag. Dort wuchsen gelbe Ringelblumen, und wir konnten über ein breites Tal hinweg den Blick schweifen lassen. In der Ferne kündigten sich graue Regenwolken an, doch wir ließen uns nicht einschüchtern. Wir folgten der Straße weiter, immer bergab, durch ein Dorf voller Souvenirläden hindurch, und hinab nach Q’enqo, der nächsten Anlage. So zumindest sah der Plan aus, doch als wir Saqsaywaman ankamen, der untersten Anlage, hatten wir die dritte der vier Anlagen wohl verpasst. Aus mangelnder Motivation, den Berg wieder hinauf zu laufen, blieben wir in Saqsaywaman und aßen Avocadobrötchen und Mandarinen, mit Ausblick auf eine gigantische Anlage. Denn diese ist die beeindruckendste in näherer Umgebung zu Cuzco: Eine riesige Zickzack-Mauer bildete die Stadtmauer des antiken Cuzco, welches als Wohnsitz des Inka, des Herrschers über das Inka-Reich, diente. Die Steine hier waren teilweise allein doppelt so hoch wie ich! Vermutlich diente diese Städte auch zu religiösen Zwecken, aber da wären wir wieder beim altbekannten Problem mit den Inka: Sie haben nichts aufgeschrieben. Alles, was man meint zu wissen, stammt aus mündlichen Überlieferungen oder leitet man sich her. Trotzdem sind die Relikte aus dieser Zeit super beeindruckend. Außerdem gab es hier ein paar höhlenartige Gänge, welche wir erforschten, und eine Art Steinrutsche. Ich kann es nicht genau erklären, aber irgendwie waren die Steine so glatt und eben geformt, dass man sie einfach hinunter rutschen konnte. Selbstverständlich probierten wir das aus, was für eine Frage! Und von hier oben hatte man noch einmal einen tollen Blick über die Stadt zu unseren Füßen. Wir versuchten, die 19 Kirchen zu entdecken, von welchen uns unser Guide am Tag zuvor berichtet hatte, doch kamen nicht über 12 hinaus. 19 Kirchen in nur einer Stadt, das muss man sich mal vorstellen. Und alles nur, um das ehemalige Inka-Volk zu unterwerfen und zu bekehren. Die Spanier haben ganze Arbeit geleistet. Für manche Kirchen wurden gar Steine von Relikten aus der Inka-Zeit, beispielsweise Saqsaywaman, verwendet. Oder, um es in den Worten eines deutschen Teilnehmers einer Führung auszudrücken, welche direkt neben mir hielt: "Diese Spanier!".

Da die Wolken um uns herum irgendwann immer dunkler wurden, traten wir den Rückweg an. Bergab waren wir schnell zurück in der Stadt und wollten uns einen kleinen Salat-Snack teilen, in besagter Super-Eisdiele, welche natürlich nicht nur Eis verkauft. Dieser Snack stellte sich als vollwertiges Abendessen heraus, und wir hatten eigentlich keinen Hunger mehr danach. Trotzdem gab es noch ein Eis als Nachtisch, natürlich! Und wir malten die Mandalas aus, welche jedem Gast angeboten werden. Man kann ein Essen gewinnen, klar machen wir da mit! wink

Und schon war der große Tag gekommen: Am Morgen des letzten Tages im Februar machten wir uns auf den Weg ins Heilige Tal der Inka. Unser erster Stopp lag in Maras, wo Salzbecken aus der präkolumbianischen Zeit noch heute bewirtschaftet werden. Der Bus setzte uns an einer Kreuzung ab, wo ein Taxi uns erwartete und direkt zum Eingang brachte. Schon bei der Anfahrt konnten wir einen Blick auf die riesige Anlage erhaschen. 4.000 bis 5.000 Salzbecken! Alle wurden vom salzhaltigen Wasser der umliegenden Berggipfel gespeist, welches mit ausgeklügelten Wasserläufen in jedes Becken geführt wurde. Wir erkundeten die Anlage neugierig, auch wenn nur ein kleiner Teil Besuchern offensteht. Hinterher hatten wir sogar das Gefühl, die Haare seien salzig wie nach einem Bad im Meer. Dann, zurück an der Hauptstraße, nahm uns direkt ein freundlicher Lastwagenfahrer mit in die nächste Stadt, nach Urubamba. Er erzählte, dass er in einer ONG (dt.: Nicht-Regierungs-Organisation) mit Schweizern arbeitet, welche sich um die Versorgung abgelegener Bergdörfer kümmert. Und er gab uns noch einmal mit, immer vorsichtig zu sein, gerade in Lima gebe es böse Menschen. Am Terminal wollten wir in den nächsten Bus nach Ollantaytambo, wo wir übernachteten, umsteigen. Doch wir waren einfach zu langsam, zweimal schafften wir es nicht, uns einen Platz zwischen drängelnden Peruanern zu ergattern. Beim dritten Anlauf standen wir dann ganz vorn und stürzten uns wie die Einheimischen in den Kleinbus, was die einzig erfolgsversprechende Taktik ist und tatsächlich funktionierte. Eine halbe Stunde später standen wir auf dem belebten Hauptplatz in Ollantaytambo und machten uns auf Hostel-Suche. Leider gab es wohl eine Preisabsprache, und egal, wie das Hostel aussah, alle verlangten mindestens 20 Soles -5€- pro Bett und Nacht. Also suchten wir uns ein hübsches aus und ließen uns dort auf die Betten im Doppelzimmer fallen. Nach einer schöpferischen Pause besorgten wir unser Abendessen und fanden in der Dämmerung ein Schild mit der Aufschrift „pasajes para Hydroelectrica“ („Tickets nach Hydroelectrica“) vor einem Laden. Da dies unser Ziel für den nächsten Vormittag war, fragten wir natürlich nach. Der Preis war viel zu hoch, doch eine altbewährte Taktik half uns: Wenn es zu teuer ist, einfach Anstalten machen, zu gehen. Hier funktionierte es ausgezeichnet, und 5 Minuten später hielten wir unsere Tickets für den nächsten Morgen zu einem fairen Preis in der Hand. Jetzt hieß es nur noch, ab ins Bett, um für den nächsten Tag so fit wie möglich zu sein.

Es war schon März, als wir uns am nächsten Morgen am vereinbarten Treffpunkt einfanden. Ich rechnete mit einem klapprigen Bus voller Einheimischer und großem Gepäck auf dem Dach, als uns unsere Verkäuferin auf ‚in ein paar Minuten‘ vertröstete. Doch ich wurde positiv überrascht: Ein bequemer Touristenbus lud uns ein. Die lange Fahrt, welche wir mit Hörbüchern und Schlaf verbrachten, konnte starten. Am frühen Nachmittag trafen wir am Ziel ein: Dem Ende der Eisenbahnstrecke, welche zum Dorf unterhalb von Machu Picchu führt. Ab hier gibt es keine günstigen Busse mehr, ab hier mussten wir laufen. 11 Kilometer die Bahngleise entlang, durch den Nebelwald. Es war eine super coole Strecke. Die meiste Zeit rauschte der Fluss links von uns, und manchmal waren wir völlig allein. Manchmal tauchten Lodges neben den Gleisen im Unterholz auf, und die Berge um uns herum waren riesig hoch. Schmetterlinge flatterten um uns herum, ab und zu mussten wir der Bahn ausweichen, die uns hupend passierte. Um von den Bergen kommende Bachläufe zu überqueren nutzten wie die Bahnschwellen. Und immer wieder entdeckten wir verrückte exotische Pflanzen. Wir schwitzten in der schwülen Hitze des Dschungels (der zwar streng genommen nicht ganz Dschungel ist, sich aber so anfühlt), aber sehr anstrengend war die Tour glücklicherweise nicht. Nach etwas über 2 Stunden tat sich die das Dorf vor uns auf, Aguas Calientes. Das letzte Stück wurde noch etwas hart, aber wir fanden unser Hostel und mit ihm eine warme Dusche glücklicherweise sehr bald. Im Regen erkundeten wir die Stadt auf der Suche nach Brötchen (wir hatten kein Glück) und Bustickets (bei denen schon) für den nächsten Morgen. Nach einem sättigenden Abendbrot ging es wieder einmal früh ins Bett, wo wir uns zusammen noch eine Folge einer Serie gemeinsam ansahen. In unserem Zimmer war noch ein Brasilianer untergebracht, welcher uns mit wachsender Begeisterung von seiner Familie und den Hunden seiner Tochter berichtete.

Am nächsten Morgen mussten wir unseren Zimmergenossen leider mit Einpackgeräuschen wecken, da wir zum Frühstück schon um 5 Uhr aufbrechen wollten. Es stand nämlich Machu Picchu an! Das Buffet war sehr lecker, und wir sammelten Energie für den Tag. Pünktlich um halb 6 Uhr stellten wir uns in die Schlange für den Bus, und schon kurz nach Öffnung der Ruinenanlage konnten wir sie betreten. War das super! Wir waren zwar nicht die ersten, aber die Anlage war um diese Zeit trotzdem noch so gut wie leer. Wir zogen direkt durch die Stadt, und das war genau richtig so. Denn so konnten wir sie erkunden als hätten wir sie entdeckt, die verlorene Stadt Machu Picchu. Vor uns passierten Lamas den Weg und waren von uns völlig unbeeindruckt. Dann ging auch noch die Sonne auf, und die Ruinen strahlten dem Tag entgegen. Es war mystisch, wunderbar. Wir verirrten uns ein wenig in der Anlage, und schlenderten lange durch die menschenleeren Gänge. Als wir wieder heraus kamen, war es schon halb 9, Zeit für eine Stärkung. Dann durften wir noch einmal hinein, in die Stätte. Diesmal erkundeten wir den Aussichtspunkt, auch wenn sich hier inzwischen viele Menschen angesiedelt hatten. Den Aufstieg zum Sonnentor ließen wir angesichts des Aufstiegs doch weg, doch der Inka-Brücke statteten wir einen Besuch ab. Wir genossen eine Weile den Blick, dann brachen wir wieder auf. Ein letzter Streifzug durch die Gassen, dann ließen wir Machu Picchu schließlich hinter uns. Es fing leicht an zu tröpfeln. Bevor wir hinunterliefen, stärkten wir uns mit Avokadobrötchen. Dann verstauten wir alles in Tüten und traten den Rückweg an, auf Treppen im Zickzack den Berg hinunter. Zum Glück waren wir unter den Bäumen durch Regen geschützt, und auf der Hälfte des Weges begannen wir damit, Lieder zu singen. Es war viel cooler zu laufen als mit dem Bus zu fahren, fand ich, auch wenn wir bergauf mit den hohen Stufen vermutlich nie angekommen wären. Singend waren wir ganz schnell unten, und nur die letzten Meter wurden wir nass. Dafür wärmten wir uns bei Schokotorte und Tee wieder auf, bevor uns der Zug zurückbrachte. Am Bahnhof machte ein Panflötist Musik und Lisa war von der riesigen Auswahl an Instrumenten und ihrer Spielweise beendruckt. Die Rückfahrt war viel entspannter als der Fußweg zuvor, und durch die Panoramafenster konnten wir die Landschaft beobachten. Es gab Zimtschnecken und Apfelsaft, bis wir gegen 17 Uhr in Ollantaytambo ankamen. Der Plan war es, noch an diesem Abend nach Cuzco zurückzukehren, und wir hatten schon Angst, ewig einen Bus suchen zu müssen, doch direkt beim Aussteigen fing uns ein colectivo(Kleinbus)-Fahrer ab, der uns für 10 Soles nach Cuzco bringen wollte. Kleiner Haken: Der Bus war noch lange nicht voll und wir würden warten, bis dies der Fall wäre. Wir hatten schon Angst, dass wir ewig dort sitzen würden, doch als noch ein paar Fahrgäste mehr sich eingefunden hatten, bot man uns an, für 15 Soles sofort loszufahren (etwa 4€). Natürlich willigten alle ein. Um die 2 Stunden später waren wir zurück in der Dunkelheit von Cuzco. Wir besorgten uns Nudeln mit Spinat, Lisas Idee, und kochten lecker zum Abendessen. Wir schliefen super letzte Nacht.

Das ging alles so schnell, es kommt mir her, als sei es Wochen her, dass wir in Cuzco aufbrachen, auch wenn es doch erst am Mittwoch war. Heute, den Samstag, haben wir mit einkaufen, kochen, lesen, essen und vor Allem schreiben verbracht. Heute ist unser Ruhetag, bevor es heute Abend aufgeht zum nächsten Highlight: Ab in den Dschungel! Morgen beziehen wir eine Dschungellodge, und wir sind sehr gespannt.

Also, wir gönnen uns heute Abend noch herzhafte Crêpes vor der Nachtfahrt und ich wünsche euch ebenso leckeres Essen!

Liebe Grüße aus der aufregenden Zeit in Peru,

Lisa und Carmen

24Februar
2018

Sonnig und anstrengend und schön!

So, jetzt ist Lisa schon fast zwei Wochen hier und wir sind bis Arequipa gekommen. Die Zeit vergeht so schnell! Ich versuche, alles wieder zusammen zu bekommen, viel Spaß beim Lesen!

Lisa kam Montagabend aus Amsterdam an. Wir fuhren durch die Dunkelheit direkt zum Hostel, wo ich schon etwas Essen vorbereitet hatte. Es war schließlich mitten in der Nacht für sie! Am nächsten Morgen frühstückten wir für meine Verhältnisse echt pünktlich und überlegten uns dann eine Reiseroute. Genauer gesagt, wir überlegten uns, wie wir zu Machu Picchu gelangten, Lisas Traumziel. Und wir nahmen uns einige Ziele für die nächsten Tage in Lima vor. Als auf einer Buchseite ein paar Ziele festgehalten worden waren und wir uns auf eine Richtung geeinigt hatten (Süden), ging es ab zur Küste. Zum Pazifik! (So viel Meer in so kurzer Zeit, und ich hab immer noch nicht genug vom Anblick der Ozeane.)

Am Pazifik Selfie vor dem Ozean.

Natürlich gingen wir auch hinunter, direkt ans Wasser, was zwar mit Schwitzen verbunden war, sich aber für die Füße definitiv lohnte. Das kalte Wasser des Humboldtstroms war eine super Erfrischung. Außerdem fanden sich am Kiesstrand einige wunderschöne Muscheln. Wir schlenderten weiter die Küste entlang, gönnten uns ein leckeres Eis (Käsekuchen-Maracuja- und Milchreisgeschmack), welches wir bei Meerblick genossen, und suchten uns dann ein Mittagessen. Mitten zwischen den großen Wohnblocks fanden wir eine kleine, niedliche Häuserkette, wo ein Restaurant vergleichsweise günstige Menüs anbot. Als wir das Restaurant fanden, staunten wir nicht schlecht: Es wurde Paulaner Bier ausgeschenkt! Vor dem Eingang begrüßten uns zwei mannshohe Figuren in Dirndl und Tracht mit Bierkrug in der Hand, und innen fanden wir einige Poster deutscher Biermarken. Tja, da fliegt man so weit und braucht trotzdem nicht auf deutsche Brauereikultur zu verzichten! Bevor Spekulationen aufkommen: Nein. Wir haben nur das gesüßte Wasser getrunken, welches im Menü inbegriffen war. wink Wir verbrachten den Nachmittag ein wenig im entspannten Kennedy-Park, bevor wir ins Hostel zurückkehrten. Die Nachmittagsruhe hielt jedoch nicht lange, denn wir brachen noch spontan zu ein paar Souvenirmärkten auf, die jeder Perureisender liebt.

Am Valentinstag gab es romantisches Toast mit Marmelade, bevor wir aufbrachen, Ziel: Das Stadtzentrum. Der Bus brachte uns sicher dorthin, und wir besichtigten die wichtigsten Plätze der peruanischen Hauptstadt.

Mit Lisa plaza de armas Vor dem Regierungsgebäude am Plaza Mayor.

Dabei besuchten wir auch das ehemals teuerste Hotel der Stadt, da die Lobby heute frei zugänglich ist. Die Deckenfenster waren wunderschön bunt. Allerdings machte uns die Hitze zu schaffen. Je näher die Uhr an Mittag rückte, desto weniger Schatten boten die Häuserreihen an der Fußgängerzone. Als wir an einer Straßenecke standen, wurden wir plötzlich von einem Straßenhändler bequatscht, der unbedingt Armbänder verkaufen wollte. Er band sogar eines ungefragt um Lisas Handgelenk, diese zog es aber kurzerhand wieder aus und machte ihm klar, dass sie nichts kaufen wollte. Er zog beleidigt ab. Als wir uns einig waren, keine teuren Touren durch Museen von Kirchen zu unternehmen (wennschon, dann wollen wir doch die Kirche selbst besichtigen), suchten wir uns ein günstiges Restaurant und bekamen sogar eine vegetarische Variante zum Mittagessen. In der Nähe war ein rosa-roter Kitschmarkt aufgebaut, für Last-Minute-Geschenke für mehr oder weniger frisch Verliebte. Einige Männer kauften hier noch schnell einen Blumenkorb oder einen roten Luftballon, um dem Ärger zuhause zu entgehen. Immer wieder konnten wir strahlende Pärchen beobachten, welchen offenbar der Tag der Liebe geholfen hatte. Als wir in Miraflores ankamen und noch Zeit am Nachmittag übrig war, besuchten wir noch eine Art Tempelanlage mitten in diesem Stadtviertel. Huaca Pucllana stammt aus der Präinkazeit und wird der Lima-Kultur zugeordnet (weil man keine Ahnung hat, wie sich die Kultur damals nannte, wurde einfach der Name des Ortes verwendet, wo sie damals lebten, sehr einfallsreich). Unser englischsprachiger Guide war jedoch sehr angetan von sich selbst und nicht sehr nahbar, sodass wir uns einige Details selbst erschließen mussten. Die Bauweise war jedoch sehr beeindruckend, da trotz der Erdbebenzone die Anlage über Jahrhunderte erhalten blieb und beim berüchtigten Erdbeben von 2007 nur die restaurierten Teilstücke einstürzten. Chapeau, Lima-Volk! Hier wurden unsere Schuhe auch schon sehr dreckig, aber die Wüste beginnt ja in Lima erst.

Huaca Pucllana WIr zwei in Huaca Pucllana.

Nach unserer letzten Nacht in Lima brachen wir nach Pachacamac auf, eine Ruinenstätte vor der Hauptstadt. Für den Hinweg rief uns eine Hostelmitarbeiterin ein Taxi, da sie der Meinung war, ein Bus sei zu kompliziert. So kamen wir immerhin bequem an. Beim Eintritt kramte ich schon mein Geld raus, als uns die Kassiererin überraschte: Es war Jahrestag der Gründung des Museums! Das bedeutete für uns freien Eintritt! Glück muss man haben. Außerdem bot das Kulturzentrum ein paar Sonderaktionen an. Wir nahmen an der Opferzeremonie teil, bei der wir Mutter Erde (Pachamama), Mutter Wasser und dem Gott der Ruinenstädte dankten. (Zwischendurch kam ich mir in einer Sekte vor…) Ich übersetzte Lisa die einzelnen Schritte und schließlich opferte die ganze Besuchertruppe ein Cocablatt, indem wir es sozusagen in verschiedene Himmelsrichtungen pusteten (also wir hielten es fest und pusteten dagegen). Das Blatt durften wir hinterher behalten. Danach erschienen vier Jungs, welche den „Scherentanz“ tanzten, sie hielten die ganze Zeit Metallscheren in der Hand und klopften diese im Takt aufeinander, während sie in ihren dicken Trachten tanzten. Sie klapperten tatsächlich immer im Takt, wir waren sehr beeindruckt. Als die Show vorbei war, begann eine Schatzsuche durch die Anlage, welcher wir uns nicht anschlossen, sondern lieber die Ruinen erkundeten. Es war echt heiß, wir machten bei jedem Unterstand einen Stopp, und viele Mauern waren mit Sand zugeweht. Allein die Größe der Anlage war jedoch beeindruckend. Und man konnte viele Tempel und Pilgerstätten bestaunen, die erst von der Limakultur und später durch die Inka benutzt wurden. Vom Sonnentempel au konnten wir das Meer sehen.

Mit Lisa in Pachacamac Lisa und ich vor den Ruinen von Pachacamac.

Für den Rückweg fragten wir die Kassiererin nach den einfachsten Verbindungen, und diese empfahl uns, einen Bus zu nehmen. Kaum standen wir am Straßenrand, lud uns auch schon einer ein, der zwei Gringas nicht am Straßenrand stehen lassen wollte. Wir sagten dem Fahrkartenverkäufer unser Ziel und dieser gab uns am Umsteigepunkt Bescheid, sodass dieser Teil sehr unkompliziert verlief. An besagter Brücke, unter der wir ausstiegen, wurden wir nach oben geschickt. Dort nahm uns ein Bus direkt mit nach Miraflores, ganz in die Nähe unseres Hostels. Super unkompliziert! Wir besorgten uns ein kleines Mittagessen, welches wir im Hostel aßen, schulterten unser Backpacks und nahmen ein Taxi zum Busterminal. Ohne es geplant zu haben, kamen wir in time dort an, mussten nur noch die Taschen aufgeben und einsteigen. Wir hatten einen VIP-Bus erwischt, sodass wir die folgenden 4 Stunden mit Filmen auf den kleinen Bildschirmen vor uns und mit Schlafen verbrachten. In Ica, unserem nächsten Stopp, wollten wir zum Hostel laufen. Allerdings wurden aus den angegebenen 5 Minuten über 25, und in der Dunkelheit wirkte die Innenstadt nicht sonderlich freundlich, wir waren also echt froh, als wir endlich in unserer Unterkunft ankamen. Wir bekamen eine Tagestour für den nächsten Tag angeboten, und obwohl es schon nach 23 Uhr war, buchten wir noch und gingen sofort schlafen.

Lisa weckte mich am Morgen zum Frühstück, welches wir noch im Hostel bekamen. Um kurz vor 7 Uhr lud uns schließlich ein Bus ein, und als die Gruppe beisammen war, ging es los in Richtung Paracas. Dort liegen die Islas Ballestas, die von Vögeln und Seelöwen bevölkerte Insel, welche ich an Heilig Abend mit meiner Familie besuchen durfte. Wir sahen ganz viele Vögel in Aktion, diesmal sogar schon auf dem Weg zur Nahrungssuche. Das war sehr faszinierend, da eine Art nicht als Schwarm flog, sondern alle hintereinander. Der erste Vogel, der am Morgen aufbricht, bestimmt die Richtung, und dann folgen alle seine Artgenossen nach und nach. Das hat zur Folge, dass eine riesige schwarze Linie am Himmel zu sehen ist. Als wir zurückkehrten, ging es weiter zum Naturreservat der Paracas-Halbinsel. Ein riesiges Wüstengebiet mit Sandstränden und Salzstraßen.

Mit Lisa in Paracas Hinter uns liegt ein wunderbarer Sandstrand!

Ein Strand war sogar rot, da das Wasser das Eisen des nahegelegenen Berges mit der Zeit abgetragen und an den Strand transportiert hatte. An einem Stopp, auf einem Berg, von dem aus man eigentlich das Reservat überblicken sollte, hatten wir Pech mit dem Wetter. Es war super windig und wolkenverhangen, sodass man auf den Bildern weder viel von der Umgebung noch von den Gesichtern sah, welche durch Haare verdeckt wurden. Trotzdem hat sich dieser Trip sowas von gelohnt. Den Nachmittag verbrachten wir mit der Suche nach vergessenen Stücken, die wohl immer noch im Hostel in Lima versauern.

Frühstück in IcaSamstagsfrühstück in Ica.

Am nächsten Morgen verbrachten wir ein wenig Zeit im heißen Zentrum von Ica, wo ein Büchermarkt stattfand, und besuchten das örtliche Museum, wo ein Überblick über die verschiedenen Kulturen und Zeitalter gegeben wurde. Außerdem wurden originale Mumien aus Paracas ausgestellt, welche etwas gruselig aussahen. Manche von ihnen hatten offene Schädel, da damals Kopfoperationen durchgeführt wurden, und einige Schädel waren verformt, da dies ein Schönheitsideal dieser Zeit gewesen war. Ich verbrachte ein wenig mehr Zeit in diesem Ausstellungsraum als Lisa. 😉

Dann kehrten wir zum Hotel zurück und brachen nach Nazca auf, welches sehr leicht mit dem Bus erreichbar war. Diesmal reisten wir nicht ganz so luxuriös und vertrieben unsere Zeit damit, den Film, der auf den großen Bildschirmen lief, mit unserer eigenen Geschichte nachzusprechen. Aus einem Bollywood-Kriegsfilm wurde so ein riesiges Grillfest. Wir kamen diesmal nicht ganz so spät im Hostel an, welches uns quasi auf den ersten Blick gefiel. Es schien ein wenig, als hätten ein paar Jungs im Suff die Idee für dieses Hostel gehabt. Anstatt einer Rezeption gab es eine Sofaecke, wo die Rechnungen und Anmeldungen aufbewahrt wurden. An einem whiteboard wurden alle Aufgaben im Hostel festgehalten, an einem anderen konnte jeder eintragen, wie viele Bierflaschen er sich aus dem Kühlschrank geschnappt hatte. Alle Wände waren weiß gestrichen und durften von den Besuchern bemalt werden. Und die Betten waren in Bettwäschen verschiedenster Farben bezogen. Mangels weiterer Optionen kauften wir uns einen Beutel Reis, etwas Mayonnaise und eine Avocado zum Abendessen, welche wir in der winzigen Küche zubereiteten. Und mit winzig meine ich wirklich winzig: wenn jemand am Waschbecken stand, kam man nicht zum Gasherd weiter hinten durch, und Teller aus den Regalen mussten durchgereicht werden. Trotzdem war sie ziemlich gut ausgestattet, und wir konnten bald unser Abendessen genießen.

Zum nächsten Morgen gab es leider kein Frühstück inklusive, sodass wir uns Bananen auf dem nahegelegenen Markt kauften, den wir auf dem Weg ins Zentrum zufällig fanden. Lisa war begeistert von dem bunten Markttreiben, den vielen Früchten und anderen geheimnisvollen Dingen, die wir dort fanden. Man konnte dort irgendwie alles kaufen, und hinter jeder Ecke ging es noch weiter. Als wir uns losreißen konnten, kauften wir unser Busticket für den Abend und gingen dann zum Terminal, von wo aus wir zum Aussichtsturm über die Nazca-Linien gelangen konnten. Lisa wollte auf den teuren und wackeligen Flug verzichten, weswegen wir die leichter erreichbaren Aussichtspunkte nutzten. Der Turm der für ihre Entdeckungen berühmten Maria Reiche war gut besucht, aber wir konnten einen Blick auf ein paar der mysteriösen Linien im Boden werfen.

Vom Aussichtsturm Maria ReicheSelfie auf dem Aussichtsturm, im Hintergrund ein paar der seltsamen Linien.

Wir überlegten uns ein paar wilde Theorien (vielleicht haben die ja unterirdisch gelebt und so Ein- und Ausgänge gekennzeichnet) und liefen dann zum „natürlichen Aussichtspunkt“, auf einen nahegelegenen Hügel. Von hier aus konnte man immerhin ein paar gerade gezogene Linien sehen, und den Blick über die unendlichen Weiten schweifen lassen. Dann liefen wir zurück zur Straße, wo uns glücklicherweise sehr schnell ein Bus einsammelte uns nach Nazca zurückbrachte. Dort kauften wir uns erst einmal Wasser und kehrten dann ins Hostel zurück, wo wir den Nachmittag entspannt verbrachten. Eigentlich war es nicht geplant, doch schließlich verewigten wir uns doch mit ein paar Bildern an der Wand.

Lisa malt in Nazca Ich male in Nazca

Dann hieß es wieder Rucksack schultern und ab zum Bus. Die Nachtfahrt war glücklicherweise ganz ruhig, und wir kamen recht entspannt in Arequipa am nächsten Morgen an. Ein Taxi brachte uns zum Hostel, wo wir schon ein Bett bekamen, uns frisch machten und zu einer Free Walking Tour aufbrachen. Ein paar Kekse waren unser Frühstück, und dann ging es los mit unserem englischsprachigen Guide Johan. Sein Englisch war nur leider nicht leicht, und vor Allem sehr schnell. Ich hatte also keine Zeit, für Lisa ein wenig zu übersetzen, und beschränkte mich auf zentrale Punkte. In unserer Gruppe gab es auch ein älteres Ehepaar aus Deutschland, was ich richtig cool fand. Wir sahen viel von der „weißen Stadt“, welche nicht nur wegen der weiß gestrichenen Fassaden, sondern auch wegen dem großen „weißen“ Bevölkerungsanteil früher so genannt wird. Johan erklärte auch, dass der Name der Stadt so viel hieß wie „ja, wir bleiben hier“, oder einfacher „okidoki“, auf Quechua. Die Stadt ist echt wunderschön im kolonialen Stil, und echt einen Besuch wert. Allerdings überzog unser Guide, und irgendwann konnte ich mich vor Hunger nicht mehr konzentrieren. Doch als eine Gewinnfrage gestellt wurde, „Was bedeutet ‚Arequipa‘?“, antwortete ich sofort mit „Okidoki!“ und bekam einen Gutschein für eine heiße Schokolade. Sieg auf ganzer Linie! Direkt nach dem Ende der Tour ging es ab zum Mittagessen, was allerdings in die Hose ging. Wir bestellten Linsen, und bekamen Linseneintopf mit Huhn oder anderem Fleisch, welches uns der Chefkoch verschwiegen hatte. Zum Glück wurde Lisa schon von der Vorspeisensuppe satt, und ich hatte gleich für das Abendessen vorgesorgt. Wir erkundeten die Stadt noch ein wenig, aber mangels Kraft und Ideen ging es schließlich ab in die Chocolaterie, wo eine heiße Schokolade auf uns wartete! Wir gönnten uns noch einen leckeren Brownie und einen Schokoladen-Bananen-Shake dazu, also haben mal richtig reingehauen. Dann kehrten wir ins Hostel zurück, wo wir den Tag schön ausklingen ließen. Beim Essen lernten wir zwei nette Schweizer kenne, welche auf Weltreise für ein Jahr sind und gerade in unserem Hostel ein wenig arbeiten. Die konnten super coole Geschichten erzählen, es wurde nicht langweilig (nur irgendwann kalt).

Am nächsten Morgen genossen wir die Pancakes im Hostel und unterhielten uns dann lange mit besagtem Pärchen. Sie nahmen uns irgendwann mit in die Stadt, zu einem großen Markt, wo wir uns mit exotisch aussehenden Früchten eindeckten.

Lucuma

Eine der exotischen Früchte: Lucuma. Unser Fazit: Seltsame Konsistenz und super süß, aber in Kuchen sicher lecker. tongue-out

Dann genossen wir einen leckeren Fruchtsaft und durchstreiften die Stadt, bis sie uns ihr Lieblingsrestaurant zeigten: Einen Pasta-Laden mit frei wählbaren Zusammenstellungen. Das war so cool, auch wenn wir eigentlich zum Nudeln essen nicht aus dem Hostel gehen müssten. Diese Variationen waren jedoch etwas Besonderes. Unsere zwei Begleiter mussten zurückkehren, um ihre Schicht anzutreten, während wir das Kloster Santa Catalina besuchen wollten. Lisa stellte fest, dass sie den Studentenausweis nicht dabeihatte, also kehrten wir doch noch mal schnell ins Hostel zurück, um dann ausgestattet nur den halben Eintrittspreis zu zahlen. Dieser hat sich komplett gelohnt, die „Stadt in der Stadt“ war echt sehenswert. Wir erkundeten die verwinkelten Gassen und vielen Wohnungen des einstmals riesigen Klosters auf eigene Faust und fühlten uns wie Entdecker. Gleichzeitig stellten wir fest, dass es mit Enthaltsamkeit unter Nonnen lange Zeit nicht weit her war. Immerhin haben sie schön gewohnt, das kann man nicht anders sagen.

Kloster AQP Kloster AQP Selfie

Dann kehrten wir zurück und trafen noch an diesem Abend eine schicksalhafte Entscheidung: Eine zweitägige Wandertour durch den Colca-Canyon am nächsten Morgen. Die Tour in nur einem Tag war uns irgendwie zu doof, und zwei Tage waren nur mit Wanderung möglich. Also, nach dem Motto "wennschon, dennschon", schlugen wir zu. Wir aßen und ginge super früh ins Bett, da schon um 2:40 Uhr morgens der Wecker klingeln würde. 3 Uhr abholen! :O

Schon am nächsten Morgen waren wir uns nicht mehr sicher, ob die Idee gut gewesen war. Der Bus ruckelte auf dem Weg zum Canyon, und es war definitiv zu wenig Schlaf. Erst am Eingang des Tals bekamen wir Frühstück, was man im Nachhinein als Henkersmahlzeit betrachten kann. Dann wurden wir zum Cruz del Condor gekarrt, wo uns leider kein Condor die Ehre machte, dafür sehr viele andere Touristen. Und schließlich erreichten wir den Startpunkt unserer Tour, wo sich schon viele Mutige versammelt hatten. Unsere Truppe wurde aufgeteilt, und wir mussten noch ein wenig warten, bis Juanito, unser Guide, eintraf. Dabei lernte sich unsere Gruppe, die als letztes starten sollte, ein wenig kennen. 5 von 10 Teilnehmern waren allein Deutsche! Dann waren noch zwei Israelis, ein US-Amerikaner, eine Kanadierin und eine Ukrainerin dabei. Juanito, unser Guide, stellte sich als motivierter, sportlicher Kerl heraus, welcher den Canyon in einer Stunde meistern konnte (runter und wieder hoch!). Wir sollten definitiv länger brauchen…

Blick vom Startpunkt Vor dem Loslaufen, da waren wir noch fit... laughing

Bevor wir allerdings aufbrachen, machte uns doch noch ein Condor die Aufwartung. Er schwebte majestätisch über uns, als würde er uns seinen Segen geben. Dann ging es los, 1200 Höhenmeter bergab. Es dauerte nicht lange, bis die Sonne auf unserer Haut brannte. Der Blick, der uns begleitete, war traumhaft. Unter uns rauschte der Fluss, über uns ragten die Anden auf, und um uns herum prägten schroffe Felsen und Kakteen das Bild. Irgendwann begannen die Zehen vom ständigen bergablaufen zu schmerzen (diese Wanderschuhe kommen wohl nicht mehr mit nach Hause). Die Pausen wurden sehr kurz gehalten, und wir vielen langsam zurück, weil die Beine nicht so schnell wollten und aufgrund der dauerhaften Konzentration auf den rutschigen Weg die Müdigkeit stärker wurde. Nach beinahe 4 Stunden erreichten wir endlich die Brücke, welche uns über den Fluss brachte. Wir waren am tiefsten Punkt angekommen! Es folgte ein leichter Aufstieg ins nächste Dorf, wo es Mittagessen gab. Es tat gut, seine Füße ein wenig auszuruhen vor den Strapazen des Nachmittags. Denn nach kurzer Zeit ging es weiter, die Schlucht entlang zu unserer Unterkunft. Wir lernten die Aloe-Vera- und die Tequila-Pflanze in freier Wildbahn kennen, pflückten Kaktusfeigen und Feigen und bemalten uns die Gesichter mit natürlicher Farbe von Blattläusen. An manchen Stellen hieß es, einen Fluss zu überqueren oder nicht im Sandstein abzurutschen, aber alles in allem war der Weg recht sicher und breit.

Beim überqueren eines Bachlaufes Unsere Gruppe beim überqueren eines Flusses.

Es begann ein wenig zu tröpfeln, doch vom Regen blieben wir glücklicherweise verschont. Irgendwann sahen wir unter uns die Häuser und Pools der Anlage, wo wir nächtigen sollten, doch dieser Part wurde schließlich der schlimmste. Alles schmerzte, wir wollten nur noch ankommen, aber unser Ziel kam und kam einfach nicht näher. Nach Ewigkeiten überquerten wir die zweite Brücke und erreichten die Lodge. Es war wunderschön dort, zwischen Palmen und Bambusdächern lag ein türkisblauer Pool, welchen wir sofort belagerten, und es fühlte sich an wie Urlaub auf Hawaii. Ein wenig zumindest, denn dort hat man sicherlich keinen Blick auf 5.000 und 6.000 Meter hohe Berge links und rechts. Es war atemberauben, von diesen Riesen geschützt einzuschlafen. Zum Abendessen gab es Nudeln, die perfekten Energiespender, und dann gingen wir fast sofort ins Bett, um so viel wie möglich zu regenerieren. Der schwerste Part lag erst noch vor uns: Der Aufstieg am nächsten Morgen vor dem Frühstück. Ja, ihr habt richtig gelesen: VOR dem Frühstück! Es war stockdunkel, als wir mit Taschenlampen bewaffnet losstapften. Vor uns lagen 1200 Meter, welche wir um 8 Uhr zum Frühstück überwunden haben sollten. Das klappte natürlich nicht. Die kurze Nacht, die fehlende Regeneration und die fehlende Frühstücksenergie machte sich bemerkbar. Lisa wurde es bald zu viel, ihr Kreislauf wollte nicht mehr. Ich nahm ihr eine Weile den Rucksack ab, aber das war auch keine dauerhafte Option. Als ich schon dachte, wir müssten eben einen anderen Bus zurück nach Arequipa nehmen, ergab sich die Lösung: Ein Maultier! Die Bergtaxis konnten Lisa mitnehmen. Ich war super erleichtert, dass ihr die Qualen abgenommen wurden, und erklomm den Berg allein. Jetzt war ein neuer Ehrgeiz wach. Ich wollte unbedingt um 8 Uhr da oben sein! Ich nahm den Berg in Angriff und überholte nach und nach die anderen Gruppenmitglieder, bis ich schließlich auch Juanito wieder eingeholt hatte (klar, der hat gewartet, so schnell war ich auch wieder nicht). Und dann bewältigte ich das letzte Stück allein. Ich hatte die Baumgruppe, welche unser Ziel war, die ganze Zeit im Blick, und sie kam langsam, aber stetig näher. Kurz vor dem Ende holte ich auch noch den Letzten einer anderen Gruppe vor uns ein, welcher unbedingt schneller sein wollte, aber dadurch auch mehr Pausen brauchte. Und dann, nach der letzten Kurve von unendlich vielen, hatte ich es geschafft: Ich war am oberen Rand des Canyons, etwa 1200 Meter höher als noch um 4:30 Uhr! Und es war tatsächlich 5 vor 8, als ich mich zu Lisa auf die kalten Steine setzte und einfach nur stolz war. Einmal den Colca-Canyon runter und wieder hoch!!Die letzten der Gruppe kamen etwa eine dreiviertel Stunde später an, und alle waren einfach nur glücklich und stolz.

Gipfel-Gruppenbild

Nach einigen Gipfelfotos liefen wir die letzten Meter auf der Ebene zum Frühstück, zu einem der besten Frühstücks unseres Lebens. Brötchen mit Marmelade und Butter waren super lecker. Als das unfassbar leckere und aufbauende Frühstück verspeist war, hinkten wir dem Zeitplan hinterher und wurden deswegen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt gescheucht. Ein paar Stopps wurden sogar weggelassen. Wir konnten jedoch noch einmal einen Blick auf die gigantischen Terrassenanlagen des Canyons werfen, welche seit Jahrhunderten die Bauern bei der Feldarbeit unterstützen, und über die grünen Felder und Wiesen schweifen lassen. Dann kam es zu meinem persönlichen Höhepunkt: Den heißen Quellen. Ein perfekter Badewannenersatz, um Muskelkater vorzubeugen! Es war eine Wohltat, die müden Glieder im warmen Wasser zu entspannen. Manche trauten sich sogar in den nahegelegenen Fluss, zum heiß-kalt Schock oder so ähnlich, doch ich verzichtete darauf, damit ich die wohlige Wärme so lange wie möglich behalten konnte. Den Abstecher zum Mittagessen machten wir nicht mit, da wir wenigstens hier etwas sparen und mitgebrachtes Essen genießen wollten. Leider hatte der Reis die lange Rucksacktour nicht heil überstanden... Die Rückfahrt war insgesamt eher verschlafen, obwohl wir noch zwei Aussichtsstopps machten. Der erste wurde am höchsten Punkt eingelegt, von wo aus wir leider wegen dicken Wolken gar keine Sicht hatten, der zweite an einer Wiese mit riesigen Lama- und Alpacaherden. Die scheuen Tiere wurden aber schon von den anderen übermütigen Fahrgästen vertrieben, bevor wir ausgestiegen waren...
Zurück in Arequipa wurden wir nicht bis ans Hostel gebracht, sondern mussten noch ein Stück laufen. Wir waren beide echt kaputt. Im Hostel mussten wir eine Weile Motivation zum Koffer umpacken und kochen sammeln, und an diesem Abend gingen wir sehr früh schlafen.
Unser letzter Tag in Arequipa begann mit super leckeren Pancakes. Dann brachen wir auf, um uns mit Museen oder bunten Souvenirläden die Zeit zu vertreiben. Leider ging es Lisa nicht so gut, sodass wir auf große Aktionen verzichteten und uns Etappenweise von Bank zu Bank fortbewegten. Weil wir doch keine Lust und Geduld mehr für ein Museum hatten, kehrten wir ins Hostel zurück. Dort gab es Kekse, Melone und Cola, und wir knoteten Armbänder und schrieben Tagebuch und diesen Artikel. Nach etwas hin und her bekam ich auch all meine Wanderwäsche wieder, die teilweise auf dem Weg von der Waschmaschine zu mir zurück verloren gegangen war. Nach ein paar ruhigen Stunden verabschiedeten wir uns von den lieben Leuten, die wir dort kennengelernt haben, und brachen auf zum Busterminal, Ziel: Cuzco, die Hauptstadt der Inka.
Leider bekamen Lisa die 11 Stunden Fahrt nicht sonderlich gut. Durch die Anden war die Tour eine wackelige Angelegenheit, und wegen der Dunkelheit konnte man nicht aus dem Fenster gucken... Deswegen wurde sie von mir, in Cuzco angekommen, erstmal ins Bett verfrachtet. Das Hostel hier ist echt super und gab uns sofort ein Bett. Nachdem sie also versorgt war, machte ich mich auf die Suche nach einem nahrhaften Frühstück (es gab Gemüseomelette, super lecker!). Dann besuchte ich den San Pedro Markt im Stadtzentrum, einen Hier-gibt-es-alles-Markt wie er typisch ist hier, um einen Fruchtsaft (Mango-Ananas) zu trinken. Die nette Saftverkäuferin fragte ein wenig nach, was ich hier so mache. Ich erklärte ihr, dass ich noch keine Pläne habe, da die Freundin, mit der ich reise, krank ist, und da kramte Wilma Ingwer aus ihrem Obststapel und gab mir Anweisung, wie ich mich als Krankenpflegerin betätigen sollte: 2 Mal am Tag Ingwer-Tee, wegen dem Geschmack mit einem zweiten Teebeutel aufgebrüht, sowie ganz viel Wasser sollte ich Lisa vorsetzen. Dann kann ja nichts mehr schief gehen! Wilma war echt super nett und verabschiedete sich mit "hasta mañana!" (bis morgen!).

So, endlich habe ich es geschafft und diesen Artikel fertiggestellt. Er ist etwas weniger ausführlich geworden, da wir so unglaublich viel unternommen haben und ich vor allem von unserer Wanderung erzählen wollte. Lisa ist jetzt schon 11 Tage hier, von 28, und bisher ist es super cool. Es ist anders, zu zweit unterwegs zu sein, aber ich mag es gern. Gerade bei praktischen Dingen wie Essen einkaufen und Wäsche waschen, aber auch wenn Eine aufs Klo geht und die Andere die Kamera hält, hat zu zweit reisen Vorteile. Und natürlich hat man jemanden, den man immer nerven kann. ;)

Liebe Grüße an Euch alle!
Lisa und Carmen

P.S.: Ich konnte leider keine Kamera-Bilder einbauen, da gerade unser Boot abhanden gekommen ist und wir nicht wieder in unser Zimmer kommen... Deswegen seht ihr hier viele Selfies. wink

Land unter in Cuzco

11Februar
2018

Sommergefühle in 3 Ländern

Ich höre gerade ein wenig Reaggeton aus dem Radio, der Lärm der Straße schallt nur gedämpft durchs Fenster. Es ist angenehm frisch, endlich nicht mehr so heiß wie die letzten Tage, und ich habe gerade mein Buch zur Seite gelegt, um diesen Artikel endlich fertigzustellen und mich dann auf die Suche nach Abendessen zu begeben. Ich hoffe, ihr seid ebenso entspannt wie ich und lehnt euch jetzt zurück, um mit meiner Reise vor dem inneren Auge ein wenig der deutschen Kälte zu entfliehen. 

Also, ich musste schließlich wohl oder übel Buenos Aires den Rücken zukehren. Aber nicht für immer, das habe ich mir geschworen, dieser Abschied ist nicht für immer. Die Busfahrt nach Rosario ging schnell und unkompliziert vorbei. Es war schon dunkel, als ich ausstieg und meinen Rucksack schulterte. Im Terminal wollte man mir keine Auskunft geben, wie ich zu meinem Hostel gelangen konnte, also schlug ich wahllos eine Richtung ein. Glücklicherweise fragte ich dann doch noch einen Passanten, an welcher Kreuzung ich denn gerade stand (wieder einmal war ich nicht in die richtige Richtung gestartet und wäre wohl nie angekommen). Dieser kannte sich super aus und riet mir auch, zu meiner eigenen Sicherheit, doch ein Taxi zu nehmen. Das war eine gute Entscheidung, denn die Strecke zog sich ganz schön hin. Als ich die richtige Eingangstür gefunden hatte, wurde ich erstaunlich freundlich in Empfang genommen. Das Hostel war niedlich, und ich hatte ein Zimmer für mich. Also, per Definition war es ein Mehrbettzimmer, aber die anderen Betten waren nicht besetzt. Außerdem wohnte hier eine junge brasilianische Familie, die gekommen ist, damit die Eltern Medizin studieren können. Sie fragten interessiert nach und gaben mir Reisetipps in Brasilien. Leider liegt Rosario aber an einem Fluss, und die daraus resultierende große Zahl an Mücken machte mir die erste Nacht zur Hölle, weil ich vom Jucken immer wieder wach wurde.

Am nächsten Morgen verschlief ich das Frühstück, zog jedoch trotzdem voller Neugier los. Ich musste bald etwas Entscheidendes über Rosario lernen: Mittags kann man im Sommer nicht raus gehen. Es herrscht eine unfassbare Hitze, bei Windstille, und durch den nahegelegenen Fluss kommt eine Luftfeuchtigkeit hinzu, welche unerträglich ist. Ich schlich also von Schatten zu Schatten, auf der Suche nach schönen Orten. Dazu gehörte der riesige „Parque de la Independencia“ (Unabhängigkeitspark), in welchem ich sogar einen See und natürlich auch viel Schatten fand. Als ich mich dazu entschied, lieber zurückzukehren, und die Hitze im Hostel auszusitzen, machte mir die Einkaufsmeile einen Strich durch die Rechnung. Natürlich konnte ich nicht widerstehen, in ein paar Läden hineinzugucken. Es tat auch ganz gut, vor der feuchten Hitze in klimatisierte Verkaufsräume zu flüchten. Gekauft habe ich glücklicherweise schließlich doch nichts. Machmal klappt das eben doch mit der Selbstbeherrschung. laughing Die Architektur im „kleinen Buenos Aires“ war schön anzusehen. Koloniale Bauten säumten die Straßen, und helle Fassaden wirkten sehr einladend. Ein Kaufhaus hatte sogar innen die ursrünglichen architektonischen Strukturen beibehalten, und die breiten Treppen und hohen Decken waren echt beeindruckend.

Als ich im Hotel ankam, hatte ich schon eine Nachricht von einer Freundin bekommen. Im Hostel in Santiago habe ich Irene kennengelernt, die mit einer Freundin im Chile-Urlaub gewesen war und in Rosario wohnt. Wir hatten Nummern ausgetauscht, sodass wir uns jetzt wiedertreffen konnten. Sie brachte ihre ältere Schwester mit, beide studieren in Rosario, und zusammen zeigten sie mir ein paar Highlights dieser großen Studentenstadt. Wir liefen zum „monumento de la bandera“, der Fahnengedenkstätte, da der Legende nach am Fluss in Rosario die argentinische Flagge zum ersten Mal erdacht wurde. Das Monument ist echt riesig, und eigentlich wirkt es etwas erdrückend. Aber durch die rollschuhfahrenden Kinder und quatschenden Freundesgruppen, die sich hier tummeln, ist die Stimmung locker und sommerlich. Dann kamen wir am zentralen Platz Rosarios vorbei, wo sich Kirche und Rathaus ansiedeln. Und schließlich liefen wir den Fluss entlang (welcher übrigens auch die Iguazu-Fälle hinunter fällt) und ich lernte die entspannte Sommerabends-Atmosphäre hier kennen. Entlang der Uferpromenade tummelten sich unglaublich viele Menschen. Manche saßen am Wasser und angelten. Familien in Gartenstühlen hatten sich hier zusammengesetzt und aßen Sandwiches. Jugendliche stürmten auf Rollschuhen oder Skateboards vorbei, Pärchen saßen versteckt im Gras unter den Bäumen. Alle, die nicht zuhause bleiben wollten, hatten sich hier versammelt. Wir liefen weiter, eine breite Treppe hinauf zum Parque de Espana (Park von Spanien), wo sich das Bild fortsetzte. Aufgrund der guten Stimmung entschlossen wir uns, ebenfalls zu picknicken. Mit Toast, Mayonnaise und Aufschnitt ausgestattet, mischten wir uns also eine halbe Stunde später unter die vielen Menschen. Es war ein schöner Sommerabend.

Selfie zu 3. vor dem monumento de la bandera 

Vor dem Monumento de la bandera, links: Mit den zwei Argentinierinnen.

Müde vom Vorabend ließ ich mir am nächsten Morgen Zeit. Erst irgendwann am Nachmittag brach ich auf in Richtung Busbahnhof, um mir ein Ticket nach Montevideo zu besorgen. Dabei kam ich durch eines der unsichereren Viertel Rosarios, ohne mir dessen bewusst zu sein. Klar, natürlich merkte, dass weniger los war auf der Straße, und dass die Häuser etwas weniger gepflegt aussahen, aber ich hatte keine Angst. Ich lief einfach die Straße weiter hinunter, als wäre nichts. Immer wieder werde ich von anderen Hostelbewohnern oder Taxifahrern gefragt, ob ich denn nicht Angst hätte, allein zu reisen. Und ich kann sagen: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Vielleicht gehe ich ein wenig naiv an die Sache heran, aber ich habe keine Angst, dass mir etwas passieren könnte. Ich trage meine Wertsachen immer gut verstaut und halte mich nicht in Ecken auf, die mir etwas unsicher erscheinen. Und ich habe Vertrauen in mich selbst, dass ich im Notfall mir selbst helfen kann. Im Gegenteil sogar, ich habe Spaß daran gefunden, allein zu reisen. Klar, es ist nicht immer einfach, aber es macht mir Spaß. 

Nun gut, genug davon. Ich kehrte also unversehrt zurück und genoss ein wenig die abendliche Stimmung am Fluss. Dort waren auch echt große Schiffe unterwegs, die ich beobachten konnte. Dann kehrte ich in mein Hostel zurück und verbrachte den Abend mit meiner brasilianischen Familie dort, so fühlte es sich ein kleines bisschen an. Am kommenden Sonntag musste ich zur Abwechslung wegen des Check-Outs mal früh aufstehen. Sehr doof, ja, aber immerhin kam ich damit in den Genuss eines leckeren Frühstücks. wink Mein Bus fuhr erst mitten in der Nacht, sodass mir viel Zeit zum vertrödeln blieb. Und genau damit verbrachte ich meinen Tag. Ich schlenderte am Fluss entlang, hörte Hörbücher im Schatten und gelangte sogar zu den weiter entfernten Strandanlagen, der Fluss war jedoch zum baden nicht sonderlich ansprechend. Es war echt super entspannt, einfach vor mich hin zu laufen und zu ünerlegen, was ich als nächstes tun könnte. Die Pizza bekam ich übrigens kostenlos! Bei der Kartenzahlung musste ich meine Passnummer angeben, welche aber, nicht wie die argentinischen, Buchstaben beinhaltete. Diese konnte der Wirt nicht eintippen, und nach einer Weile gemeinsamen rätseln schenkte er mir die Pizza kurzerhand! Da war ich schon ein wenig verblüfft und verdrückte mich schnell, bevor er es sich anders überlegen sollte… Und ich habe an diesem Abend das Geburtshaus von Ernesto 'Che' Guevara gefunden, welcher in Rosario aufgewachsen war. Ein Reisender, der vor einem Jahr in Rosario gewesen war, schreibt in seinem Blog noch, nichts würde auf das Geburtshaus hinweisen, doch das hat sich inzwischen geändert. Ich habe ein großes Schild mit Namen, Geburts- und Todesdatum vorgefunden. Offenbar ist man sich inzwischen einig, dass Guevara international entscheidenden politischen EInfluss hatte, auch wenn man davon halten mag, was man will. Übrigens, Fun Fact am Rande: Lionel Messi stammt auch aus Rosario!

Fluss Roario Blick auf den Fluss Paraná in Rosario.

Die Busfahrt lief gut. Leider mussten wir genau auf der Hälfte der Strecke, also in der Tiefschlafphase, alle raus, um durch die Passkontrolle zu laufen. Trotzdem kam ich einigermaßen wach in Montevideo an und machte mich auf zum Hostel. Ich nahm einen Stadtbus in die Innenstadt, was ganz gut lief, auch wenn ich zu spät ausstieg. Zu meiner Überraschung konnte ich sogar schon mein Bett beziehen, was super praktisch war. Dann also erkundete ich die Hauptstadt Uruguays. Sie gefiel mir auf Anhieb. Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel, also von Meer umgeben. Wenn man durch die Fußgängerzone läuft, kann man immer wieder links und rechts durch die Häuserreihen einen Blick auf das Meer erhaschen. Das ist so wunderbar!

Blick durch die Gasse MVD Am Ende der Gasse kann man den Atlantik erahnen.

Allerdings ist dieser Teil der Stadt auch sehr touristisch, sauber und teuer. Das liegt am Hafen von Montevideo, wo riesige Kreuzfahrtschiffe anlegen konnten! Als ich begriff, dass die zwei Ozeanriesen am Hafen für die vielen Touristen sorgte, beschloss ich, lieber zu flüchten. Allerdings nicht, bevor ich das Karneval-Museum besucht hatte. Denn Uruguay, und vor allem auch Montevideo, stehen für ausgelassenen Karneval. Hier mischen sich viele Einflüsse: Der europäische Karneval, durch die spanischen Einflüsse, der brasilianische Karneval, da Uruguay auch einmal zu Brasilien gehört hatte, und auch die afrikanische Tradition, welche durch viele Sklaven nach Südamerika gebracht wurde. In dem kleinen, aber ausführlichen Museum, fanden sich viele Ausstellungsstücke und ich konnte mir gut das bunte, ausgelassene Treiben in dieser Stadt vorstellen, welches nicht nur eine Woche, sondern einen ganzen Monat anhielt. Leider würde ich nicht so lange bleiben können…

Karnevalmuseum Exponate im Karnevalmuseum Montevideo.

Ich flüchtete also weg von der touristischen Zone, aß ein leckeres Steak zum Mittagessen (schließlich war ich immer noch im Land der Gauchos) und war froh, in der Mittagshitze nicht mehr zu schmelzen. Durch die Nähe zum Meer herrschte immer eine angenehme Brise vor. An diesem Abend lernte ich ein paar Hotelangestellte und einen weltreisenden Australier näher kennen, und kam lange nicht ins Bett. Genauso kam ich am nächsten Morgen auch lange nicht wieder raus… Trotzdem konnte ich den verbleibenden Tag gut nutzen. Nachdem ich etwas gegessen hatte, besuchte ich das (kostenlose) Gaucho-Museum in einem eindrucksvollen Kolonialgebäude. Dort wurden Messer, Lassos, Pferde-Zubehör und was man als Gaucho eben alles so brauchte ausgestellt, inklusive des Landesgetränkes: Mate. Mate ist eine Art bitterer Kräutertee, welcher von Argentiniern, aber vor allem auch Uruguayern immer, zu jeder Gelegenheit und dauerhaft, getrunken wird. Dafür tragen sie immer eine Thermoskanne mit heißem Wasser unter dem Arm und einen stilvollen Holzbecher mit silbernem Trinkröhrchen in der Hand mit sich herum. In diesem Holzbecher werden die Kräuter direkt in Wasser gelassen. In Argentinien mischt man Zucker unter, doch das ist in Uruguay verpönt. Und wenn ich sage, immer und überall, dann meine ich auch immer und überall. Auf der Straße laufen Menschen mit dem Hund spazieren mit Mate in der Hand, am Strand sitzen Pärchen in Sonnenstühlen mit Mate in der Hand, im Supermarkt gehen Familien einkaufen mit Mate in der Hand. Ich stelle mir das super unpraktisch und einschränkend vor, aber es macht einen Teil des Straßenbildes von Montevideo aus und gehört definitiv dazu. Nachdem ich die Ausstellungsstücke bewundert und das hohe Gebäude wieder verlassen hatte, entschied ich mich dafür, ein wenig zu warten, bis um halb 4 Uhr eine Stadtführung stattfinden sollte. An dieser Tour teilzunehmen war die beste Entscheidung des Tages. Aufgrund personeller Schwierigkeiten (der Kollege war krank geworden) musste unser Guide die Tour zweisprachig führen. Aber das meisterte er lobenswert. Ich lernte unglaublich viel über dieses kleine, mir bis dato völlig unbekannte Land, mit nur etwa 3,4 Millionen Einwohnern, wovon 1,3 Millionen allein in Montevideo leben (das ist über ein Drittel der Landesbevölkerung!). Der unscheinbare Staat hat eine aufreibende Geschichte hinter sich und sowohl zum spanischen, als auch zum portugiesischen Einflussbereich einmal gehört. Das für südamerikanische Verhältnisse kleine Land orientiert sich stark an den großen Nachbarn Brasilien und Argentinien. Und Montevideo wurde ursprünglich ausschließlich als Hafenstadt gegründet, in welche viele Ausländer angesiedelt wurden. Wir besuchten das Mausoleum des uruguayischen Freiheitskämpfers und auch die örtliche Kirche, wo er uns erklärte, dass Uruguay schon sehr früh die Trennung von Kirche und Staat beschloss. Das sorgte für sehr fortschrittliche Entwicklungen, wie beispielsweise schon früh starke Frauenrechte. Und wir besuchten ein Anwesen aus kolonialen Zeiten, wie sie überall in der Altstadt zu finden sind. Diese Tour lohnte sich wirklich, auch, weil ich eine nette Brasilianerin kennenlernte, mit der ich hinterher noch einen Kaffee trinken ging. Die Nudeln schmeckten an diesem Abend besonders lecker.

An meinem dritten Tag in Montevideo beschloss ich, meine eingerosteten Fahrrad-Fähigkeiten wieder abzustauben und mir einen Drahtesel zu mieten. So schnell, wie ich mir das vorstellte, fand ich leider nichts, weil die erste Agentur zu teuer, die zweite zu weit weg und die dritte geschlossen war, aber schließlich kam ich doch noch zu meinem Rad. Und das war wirklich eine erstklassige Idee meinerseits gewesen! In Montevideo sind die Uferwege super ausgebaut, sodass ich die ganze Zeit am Meer entlangfahren konnte, von Strand zu Strand sozusagen.

MVD Schriftzug 

Montevideo-Schriftzug vor einem Strand und der Silhouette der Stadt.

So kam ich auch in modernere Stadtviertel und lernte andere Gesichter Montevideos kennen. [Hier schaut gerade, während ich diese Zeile schreibe, ein anderer Hostelbewohner in voller Lautstärke auf seinem Handy Videos neben mir an, ich entschuldige mich deswegen für jeden Leichtsinnsfehler, der mir aufgrund der Ablenkung unterlaufen könnte.] Natürlich nutzte ich die Gelegenheit auch und ging an den Stränden mit wunderbarem weißen, weichen Sand baden. Das Wetter war ausgezeichnet, sonnig und warm, wie es für einen Strandtag eben sein sollte. Zum Nachmittagsessen – natürlich war ich nicht vor der Mittagszeit zuhause losgekommen – setzte ich mich in den Schatten einer Palme und genoss meine Nudeln mit Tomatensoße bei Meerblick. Als ich irgendwann keine Lust mehr hatte, weiterzufahren, kehrte ich wieder um und setzte mich ein wenig auf eine der vielen Bänke ans Ufer. Es war wirklich ein schöner Strandtester-Tag. Ich kehrte irgendwann, als es schon wieder langsam dunkel wurde, müde und glücklich ins Hostel zurück und veranstaltete an diesem Abend nichts großartiges mehr. Auch, weil ich den nächsten Morgen ausnahmsweise nicht verschlafen und das Fahrrad, welches ich mir für 24 Stunden gemietet hatte, noch nutzen wollte. Mein Plan ging auf. Ich schaffte es, schon am Vormittag aufzubrechen und nutzte den noch leeren Strand zum Abkühlen. Das Wasser des Atlantiks ist so viel wärmer und angenehmer als auf der westlichen Seite des Kontinents.

Mein Leihrad am Strand Mein Rad am Strand.

Meer vor MVD Blick vom Ufer aufs Meer.

Leider war das Wetter an diesem Vormittag nicht ganz so ansprechend, die Sonne wollte sich nicht zeigen. Trotzdem blieb ich am Ufer, bis ich das Fahrrad abgeben musste. Auf meinem Heimweg vom Fahrradverleih besuchte ich noch einen ganz besonderen Laden: Einen Marihuana-Shop. Denn in Uruguay ist Cannabis legal! Das sorgt dafür, dass es immer mal wieder nach Gras riecht und viele mit Bauchtaschen zur Aufbewahrung ihres Kontingents herumlaufen. Ich kaufte in diesem Laden trotzdem nichts… 😉

Meinen letzten Nachmittag ging ich entspannt an. Ich aß lecker zu Mittag, saß lange entspannt und ruhig am Meer und lief ein letztes Mal durch die schönen Straßen Montevideos. Es ist super schade, dass ich nicht mehr von diesem ruhigen und vielseitigen Land kennenlernen konnte. Denn schon am nächsten Morgen sollte mein Flug mich zurück nach Lima bringen. Da ich ein paar nette Leute im Hostel in eine Bar begleitete, kam ich nicht zu Schlaf, bis mich um 4 Uhr morgens ein Taxi am Hostel abholte. Dann musste ich eine Weile am Flughafen warten, bevor um 7:30 Uhr mein Flugzeug abhob. Darin schlief ich tief und fest, so sehr, dass ich es zuerst überhaupt nicht verstand, als man mich zum Essen weckte. Ich war dann auch so überrumpelt, dass ich das Tablett fallen ließ… Die 5 Stunden gingen zu schnell rum, und dann war es soweit. Ich war wieder zurück in Lima. Alles dreht sich doch irgendwie um diese Stadt auf meiner Reise. Diesmal bin ich hier, da am Montag Lisa-Marie hier landet, eine gute Freundin aus der Trachtenkapelle. Mit ihr werde ich einen Monat durch Peru reisen, ich bin sehr gespannt, wohin es uns verschlägt und was wir gemeinsam sehen und erleben werden!

Hier in Lima habe ich echt nicht viel gemacht, sondern die Zeit einfach zum Nichtstun genutzt. Ich war in zwei verschiedenen Hostels, um diese zu testen, habe mich aber jetzt dafür entschieden, in dieses zurückzukehren, wo ich vor der Ankunft meiner Eltern übernachtete. Es ist ein schönes Gefühl, „zurückzukehren“, und der Angestellte Luis, welchen ich im Dezember hier kennenlernte, hat mich auch sofort wiedererkannt! Sonst habe ich nicht viel unternommen, was dringend mal wieder nötig war. Lesend und Zeug-im-Internet-machend sind die letzten zwei Tage herumgegangen, und jetzt bin ich wieder voller Tatendrang und Energie, mit Lisa viel Neues zu entdecken und zu erleben! Ich bin gespannt, wie es sein wird, zu zweit zu reisen, da ich mich mit dem Allein Unterwegssein gut arrangiert habe und es mir inzwischen sehr Spaß macht. Aber all das werdet ihr bald lesen dürfen. 😊

Ich wünsche Euch alles Liebe aus der Ferne und Grüße an alle Leser!

Eure Carmen

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